2. (26) 1839 Dez, 11 die von den Eltern förmlich zu beständigen Belagerern bestellt sind, haben einen zu großen Einfluß auf die hiesige weibliche Welt gehabt, als laß etwas besonders Gescheites hätte herauskommen können, Ich muß arst nach und nach bekannter werden und besonders in einige wenige Häuser kommen, wo jener Einfluß fern gehalten wird, um für das Allge- neine urteilen und mich vielleicht fürs Einzelne entscheiden zu können. Der Übergang zu auch einem, wenn auch alten Weibe, ist bald ge- macht. Fichte’n habe ich seit einiger Zeit nicht gesehen. Wie es mit seinen Vorlesungen geht, habe ich noch nicht erfahren, sein allgemeiner Kredit aber ist hier gar nicht besonders groß und sein Renommee als Philosoph ! ist nicht bedeutend. Du wirst daher in dieser Beziehung leichtes Spiel haben. Mache nur, daß Du im Sommer lesen kannst. Nichts hatte hier im Anfang einen unangenehmeren Eindruck auf mich gemacht als Fichtes Physiognomie, später versöhnte mich mit ihm einigermaßen sein philiströses, spießbürgerliches Wesen, aber da auch durch dieses seine % wässrige Arroganz hindurchsickert, so bleibt es heim alten, beim ersten Eindruck, Zucker habe ich ihn aber noch nicht kauen sehen. Da ich diesen Winter nur per accidens lese (obwohl ich sehr auf- merksame Zuhörer habe, unter andern Möller), so kann ich über mein Verhältnis zu den hiesigen Studenten noch nicht urteilen. Erst das z Sommersemester muß entscheiden, So viel weiß ich, daß meine für den Sommer angekündigten Vorlesungen (Leben Jesu und Kritik des vierten Evangeliums) unter den hiesigen Professoren schon einen heiligen Schrecken erregt haben, besonders die „Kritik“ ist ihnen skandalös, auch das habe ich gehört, daß viele Studenten sich gegen einige Männer hier 2: geäußert haben, bei mir als Hegelianer könnten sie als künftige Geist- liche nicht hören, sie wollen sich also a priori von mir abschließen, aber ich werde schon dreinschlagen und die kritische Lärmglocke so anziehen, laß man schon aus Schrecken herbeilaufen wird. Daß Du mir von Deinen logischen Lukubrationen manches mitteilst, zo darf ich mir das so erklären, daß Dich der ganz gute Köppen wegen Sophisterei anklagt? Ach, der gute, der ganz gute Köppen, macht er mit seiner Broschüre Ernst? Wie notwendig wäre die jetzt! Sehe ich nach meinen Erfahrungen in Berlin die hiesige Universität, besonders die ‘heologische Fakultät und dann die jämmerlichen Doktorpromotionen 3 in Berlin, so scheint Preußen dazu bestimmt, immer nur durch eine Jenaer Schlacht vorwärts kommen zu können. Eine solche muß trotz der Friedenshaube in Berlin bald wieder eintreten, sie braucht nicht auf einem Lechfelde geliefert zu werden, es gibt auch andre Felder. Was Du von den logischen Energien des Gegenübertretens etc. sagst, SO 40 scheint mir, daß sie Hegel doch ganz bestimmt an ihrer Stelle im Abschnitt von der Methode entwickelt habe, im Wesen haben sie die Form der Re- Aexion und sind als solche entwickelt, und vom Sein sagt Hegel irgendwo selbst, daß hier die Dialektik der Form und die Bewegung der Bestimmt- heit nur „durchwuchert“, also noch nicht für die Reflexion hervorgehoben «s werden kann, das ist eben nur erst möglich im Wesen, Mache doch nur (Dir ist zwar alle Erinnerung daran unangenehm, aber was hilfts), daß Du mit dem lumpigen Examen fertig wirst und Dich ganz ungehindert Deinen logischen Arbeiten hingeben kannst, besonders