Einleitung

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sten Geburtstag überreichte: „als schwaches Zeichen kindlicher Liebe“.
Von diesem Heft hatte die Forschung aus dem großen Bekenntnisbrief
Marxens an seinen. Vater vom 10, November 1837 schon längst gewußt.
Daß es aber erhalten geblieben ist, davon hatten auch wir, als wir den
ersten Halbband abschlossen, nicht die leiseste Ahnung. Eher hatten wir
gehofft, daß jene drei Gedichthefte, die seinerzeit von Mehring exzerpiert
und behandelt worden waren, noch zum Vorschein kommen würden.)
Jean Longuet glaubt sich neuerdings daran zu erinnern, daß diese Hefte
doch bei Mehring geblieben seien. Leider waren aber alle Nachforschun-
gen von Eduard Fuchs, dem literarischen Testamentsvollstrecker Meh-
rings, erfolglos. Der Nachlaß Mehrings ist heute völlig geordnet, und es
steht endgültig fest, daß diese Gedichthefte sich nicht darunter befinden.
Da uns aber Mehring ohnehin eine ziemlich ausführliche Darstellung von
ihnen hinterlassen, Inhalt, Form und Stil sämtlicher Gedichte eindrucks-
voll geschildert und einige charakteristische Stücke zitiert hat?), ist das
Auftauchen des bisher unbekannt gebliebenen Heftes von größerer Be-
deutung, als sie die Auffindung der von Mehring schon beschriebenen
Hefte gehabt hätte.

Obwohl man also in den Kreisen der Marxforscher von dem Verbleib
dieses Gedichtheftes keine Ahnung hatte, ist die Auffindung doch nicht
dem reinen Zufall zuzuschreiben. Im Verlauf der systematisch betriebe-
nen Nachforschungen, die das Marx-Engels-Institut in den Rheinlanden
bei den Nachkommen der Kölner Freunde von Marx veranlaßte, kam
auch die Reihe an die Familie des 1855 verstorbenen Kölner Arztes Dr.
Roland Daniels, der Marx von allen Mitgliedern des Kommunistenbun-
des — natürlich abgesehen von Engels — persönlich am nächsten gestan-
den hatte, Als Dr. H. Stein sich in unserem Auftrage an die Familie
Daniels wandte, erklärte diese ihre vorbehaltlose Bereitschaft, der wissen-
schaftlichen Forschung alles, was im Nachlaß von Roland Daniels er-
halten sei, zur Verfügung zu stellen. Frau Landesgerichtsrat Roland D a -
niels in Düsseldorf hatte die große Freundlichkeit, die Erstveröffent-
lichung der Funde dem Marx-Engels-Institut zu überlassen, wofür ihr auch
an dieser Stelle unser Dank ausgesprochen sei.

Von den verschiedenen Funden an Marx-Materialien gehören zwei in
den Bereich des vorliegenden Bandes, und zwar das Heft mit eigenen Ge-
dichten und ein Heft „Volkslieder“, das Marx im Jahre 1839 aus ver-
schiedenen Sammlungen für seine Braut zusammengestellt hat.

Angesichts der Innigkeit des Freundschaftsverhältnisses zwischen
1) Vgl, 1/1, XXXVI—XXXVII. (Im folgenden zitieren wir den ersten und den
zweiten Halbband unserer Ausgabe als: 1/1 und 1/2.)

2) Aus dem literarischen Nachlaß von Karl Marx und Friedrich Engels. Hg.
von F. Mehring. Stuttgart 1902, Bd, I, S. 25—28