XI

Marx und Roland Daniels scheint es nicht sonderbar, daß Daniels diese
beiden Manuskripte, die ihrem Charakter nach schon zu Marxens Leb-
zeiten als ganz persönliche Erinnerungsstücke betrachtet werden konnten,
bei irgend einer Gelegenheit als Geschenk, als Andenken erhalten habe.
Eine ausdrückliche Angabe, aus welchem Anlaß dies geschehen sein
konnte, haben wir nicht, wahrscheinlich aber war es im Frühling 1851.
Wir schließen dies aus folgendem. Als Marx nach der Einstellung der
Neuen Rheinischen Zeitung Köln verließ, blieben alle seine Habselig-
keiten, darunter seine umfangreiche und sehr wertvolle Bibliothek, in
Köln. Auf seine Bitte übernahmen die Daniels die Verwahrung dieser
zurückgelassenen Sachen. Ungefähr im März 1851 bat Marx Daniels,
seine Bücher zum Teil zu verkaufen, zum Teil ihm nach London zu
schicken, was auch bald geschah, Es ist möglich, daß das Ehepaar Marx
bei dieser Gelegenheit die zwei Manuskripthefte als Zeichen des Dankes
dem Ehepaar Daniels geschenkt hat.

Aus der Überschrift des Heftes, welches die eigenen Dichtungen von
Marx enthält, geht hervor, daß er es dem Vater zum Geburtstage nach
Trier gesandt hatte. Er selbst schreibt darüber dem Vater am 10. Novem-
ber 1837:

„Am Ende des Semesters [etwa Februar/März 1837] suchte ich wie-
der Musentänze und Satyrmusik, und schon in diesem letzten Hefte, das
ich Euch zugeschickt, spielt der Idealismus durch erzwungenen Humor
(Skorpion und Felix), durch ein mißlungenes, phantastisches Drama
(Oulanem) hindurch, bis er endlich gänzlich umschlägt und in reine
Formkunst, meistenteils ohne begeisternde Objekte, ohne schwunghaften
Ideengang, übergeht.

Und dennoch sind diese letzten Gedichte die einzigen, in denen mir
plötzlich, wie durch einen Zauberschlag — ach! der Schlag war im Be-
ginn zerschmetternd — das Reich der wahren Poesie wie ein ferner Feen-
palast entgegenblitzte und alle meine Schöpfungen in nichts zerfielen.“1)

Ein Blick auf das von Marx selbst dem Heft vorangestellte Inhalts-
verzeichnis zeigt, daß er damit nur das vorliegende Heft meinen konnte,
denn es finden sich in ihm der erste Akt des „phantastischen Dramas
Oulanem“ und als Anhang einige Kapitel aus dem humoristischen Roman
„Skorpion und Felix“. Die sorgfältige Ausstattung des Heftes, das fast
völlige Fehlen von Streichungen zeigt, daß wir es mit einer Reinschrift

zu tun haben, die Marx für den Familienfesttag hergestellt hatte. Als
Entstehungszeit für den größten Teil der hier zusammengefaßten Dich-
tungen kommt also die Jahreswende 1836/37, — als späteste Zeitgrenze
April 1837 in Betracht.
1) 1/2. 218