Einleitung

XVII
auch aus „Des Knaben Wunderhorn“. Vielleicht übertrug Marx seine
Antipathie gegen Bettina*), die er in Trier im Westphalenschen Hause
persönlich kennen gelernt hatte, auch auf deren Mann und Bruder. Die
meisten Stücke sind Liebeslieder, — und daß ‚es sich nicht gerade um
philologische Liebhaberei handelte, verrät an einer Stelle die Einschmug-
gelung des Namens Jenny, an einer anderen Stelle des Namens Karl, statt
der ursprünglichen Namen „Rosa“ und „Hans“?

Interessant ist, daß Marx drei rhein isch e Lieder ins Hochdeutsche
übertrug.

Da in diesem Heft nur die Auswahl der Gedichte von Marx her-
rührt und er aus eigenem nichts dazugegeben hat, hielten wir es für ge-
nügend, nur die von Marx selbst dem Heft vorangestellte „Übersicht“ ab-
zudrucken; außerdem geben wir überall die unschwer festzustellende
Quelle an, aus der Marx den Text abgeschrieben hat.%)
Exzerptite 1840—1843

Die Exzerpthefte, über deren Inhalt wir in der dritten Abteilung dieses
Bandes berichten, sind für die intimere Rekonstruktion des theoretischen
Werdegangs von Karl Marx in dieser Periode seines Lebens von außer-
ordentlicher Bedeutung; sie sind eine Frucht seiner wissenschaftlichen
Studien.

Marx war ein leidenschaftlicher Leser, nicht nur in dem Sinne, daß
er ungeheuer viel, sondern auch in dem Sinne, daß er ungemein heftig,
impulsiv las. Diese Impulsivität äußerte sich einerseits in einer großen
Anzahl von Unterstreichungen, Randstrichen, Ausrufungs- und Fragezei-
chen und Randbemerkungen, anderseits in der Gewohnheit, die er sein
Leben lang beibehielt: sich immer Exzerpte zu machen.

Die Handexemplare der von Marx gelesenen Bücher, wie auch die
rund zweieinhalbhundert erhalten gebliebenen Exzerpthefte bilden über-
haupt eine sehr wichtige Quelle für das Studium des Marxismus im all-
gemeinen und für die kritische Geschichte der einzelnen Marxschen Werke
im besonderen. Es ist ein großer Schaden für die Marx-Forschung, daß
die Bibliothek von Marx und Engels nicht vollständig auf uns gekommen
ist. Engels selbst beging den ersten großen Fehler, als er nach dem Tode
des Freundes zahlreiche Bücher aus dessen Bibliothek an verschiedene
Freunde verschenkte, so unter anderem zahlreiche russische Bücher an
P. Lavrov. Als dann nach Engels’ Tod die Bihliothek der beiden in den
') Vgl. „Neumodische Romantik“, 1/2, 11
2) 1/2, 96
3) Val. auch 1/2, 92, Vorbemerkung