Gedichte
Die Entführung
Ballade

Der Ritter steht am Eisentor,

Da blickt ’ne holde Maid hervor:
„Lieb Ritter, wie kann ich heruntersteigen ?“
Und rings ist's Nacht und die Lüfte schweigen.
„ „Fang auf, ich werf” in deine Hand
Der Rettung süßes Unterpfand,

Da oben kannst du es feste binden,

Und dich am Seil herunterwinden.“ “
„Ach Ritter, ach Ritter, ich flieh, wie ein Dieb,
Ach Ritter, was tu ich dem Trauten zulieb!“

„ „Hold Traut, du nimmst ja nur, was dein eigen,
Wir ziehn, wir fliehen im Schattenreigen!“ “
„Ach Ritter, die Tiefe klafft mich an,

Micht faßt’s wie Schwindel, ich kann nicht nahn!“
„ „Du willst nicht, sieh’ ich gäb’ mein Leben,
Du kannst vor leeren Schrecken beben!“

AM

„Ach Ritter, du treibst ein gefährlich Spiel,
Bist meiner Sehnsucht golden Ziel!
So lebt denn wohl, ihr trauten Hallen,
Nicht länger darf mein Fuß euch durchwallen,
„Es zieht mich eine höh’re Macht,
Ihr Lieben alle, gute Nacht!“
Und nicht länger kann sie zagen und streiten,
Faßt an das Seil. herunterzugleiten.
Und wie sie die Mitte kaum erreicht,

Da irrt ihr Blick und die Wange bleicht,
Die Arme kann sich nicht länger halten,
Sie stürzt an die Brust der Todesgewalten.
„Ach Ritter, noch einmal halt mich warm,
Dann schwind’ ich selig in deinem Arm,
Laß mich in deinen Küssen verhauchen,
Dann muß ich in süße Vernichtung tauchen.“
Der Ritter hält sie bebend fest,
Der Ritter sie heiß an den Busen preßt,
Und wie die Seelen zusammen wehen,
Da faßt es ihn an, wie Todeswehen.
„Leb wohl, mein trauter, mein teurer Mann!“

„„O weile noch, daß ich dir folgen kann!“ “
Und über sie zuckt es, wie ewige Flammen,
Und beide brechen entseelt zusammen.