Gedichte

Neumodische Romantik

Das Kind, das, wie ihr wißt, an Goethe schrieb,
Und ihm weismachen wollt’, er hab’ sie lieb,
Das Kind war einst im Theater zugegen,
’Ne Uniform tut sich bewegen.
Er blickt zu ihr gar freundlich lächelnd hin:
„Bettina wünscht, mein Herr, in ihrem Sinn,
Das Lockenhaupt an sie zu lehnen,
Gefaßt von wundersamem Sehnen.“
Die Uniform erwidert gar trocken drauf:
„Bettina laß dem Willen seinen Lauf!“
„Recht, spricht sie, weißt du wohl, mein Mäuschen,
Auf meinem Kopf gibts keine Läuschen?“

An die Sonne der Wahrheit (F. Quednow)
Lampenlichter, Sternenflimmer,
Herzenstiefe, Schönheitsschimmer,
Seelenhuld und weiße Haut,
Nimmer zeigst du sie in Klarheit,
Hältst dich drum für Sonnenwahrheit,
Einen Bräutigam hat jede Braut.
Und der Sonne Wahrheit magst du heißen,
[st’s doch wahr. daß Sonnen — Schatten schmeißen.

Auf einen Ritterheroen
Und wo man ihn auch immer packt und greift,
Heros und Ritter ineinander schweift,

Des Tags spricht er modern vom Tanzen,
Nachts zehren ihn antike Wanzen.

Meiner Nachbarin jenseits
Da drüben guckt die wieder her,

Bei Gott, ich trag’s nicht länger mehr.
Ein kleiner Mann, ein gelbes Haus,
Ne lange Frau, ein dürrer Graus,
Damit die Phantasien nicht fliehn,
Muß ich das Rouleau — niederziehn.