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Dichtungen aus dem Jahre 1837

5
„Männlein, wir springen hier,
All’ in den Busen dir,
Laß glänzen dein Herz im Sonnenschein,
Sollst unser Blumenkönig sein!“

6
Männlein zuckt und Männlein denkt,
Hat die Brust sich rosrot zerrissen:
„ „Da habt ihr, da habt ihr mein Herz geschenkt,
Nun laßt mich Kron’ und Szepter nicht missen!“ “

„Männlein im Sonnenschein,

Kannst nicht der Blumenkönig sein,

Blut, rosrot Blut kannst nicht sprühn,
Herzlein, tief Herzlein muß uns jetzt glühn.“

Q
Männlein riß sich die Augen aus,

Fing an, mit den Händen zu schaben,
Baut’ sich tiefstill ein Totenhaus,

Da liegt er. da liegt er begraben.

Seefels

Schroff wallt auf die Marmorsäule,
Zackengipfel sägt die Luft,
Modergift und Lebensfäule
Brauet tief unten her die Gruft.
Eisern klammert seine Glieder.
Hochgeschwolln der Fels hernieder.

Jahre wirft er weit die Gluten,
Von dem wahnverzerrten Hirn,
Jahre stößt er Meeres Fluten,
Toller sie im Kreis zu wirrn.
Mühvoll Moos bebt herbstlich graue Locken,
Grinzend pralln es blutig Kieselflocken.

Mitternächtig strömen Laute
Wahnruf aus dem Marmorschoß,
Als wenn tausendjährig Leben taute
Und Erinnrung heulte los,
Wagt des Wandrers Schritt hinanzulauschen,
Steinern muß er fort zur Seeflut rauschen.