%

Dichtungen aus dem Jahre 1837

„Magst nur rasch dich weiterschwingen,
Ganz der frohen Lust geweiht,

Magst den Buhlen nur umschlingen,
Bald bist du von mir befreit!

„Auch ich werde heut begehen

Einer Hochzeit bunte Pracht,
Hab’ mich anders umgesehen,

Meine Braut ist Dolch und Nacht.

„Doch noch einmal laß mich saugen,
Wollust aus dem Blick und Glut.
So! nun sah ich deine Augen,
Und du schauest jetzt mein Blut.“

Rasch durchbohren ihn die Klingen,
Die er lange schon gezückt,

Und die Lebensfäden springen,
Und die Nacht sein Auge drückt.

Dumpf und krachend stürzt er nieder,
Jede Muskel bricht entzwei,

Tod umhüllet Pracht der Glieder,
Und kein Gott erweckt ihn neu.

Und Lucinde stumm ergreifet,

Dolch und Schneide, zitternd schnell,
Und das Eisen schon sie streifet,

Und es springt der Purpurquell.

Doch die Zofe rasch besonnen,
Bebend vor des Blutes Strahl,

Hat die Waffe schon gewonnen,
Reißt hinweg den scharfen Stahl.

Und Lucinde sinkt in Schmerzen,
Trauernd auf den Leichnam hin,

Saugt das Blut von seinem Herzen,
Und läßt ihres in es ziehn.

Und die weiße Gaz’bedeckung,

Die den schlanken Leib umschließt,
Färbet sich in Blutbefleckung,

Die sich sprudelnd drüber gießt.

Und sie bleibet lange hangen,
Klammernd an dem teuren Mann,

Und er lebte, wenn Verlangen,
Einen Toten neu beseelen kann.