Gedichte |

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Hebet dann sich bleich und blutend,
Von dem Mann, den sie erkor,

Und die Menge, murmelnd, Autend,
Schreckt entsetzt und bang empor.
Eine Göttin, selbst sich richtend,
Dem Verderben auserwählt,
Hebet sie den Blick vernichtend
Zu dem Mann, der ihr vermählt.

Und ein Lächeln, eisig, höhnend,
Ziehet um den bleichen Mund,

Und ein Angstschrei, dumpf und stöhnend,
Tut den Wahn entsetzlich kund.
Und zerstiebet sind die Reigen,
Alles fliehet ohne Wahl,

Und die lauten Zymbeln schweigen,
Und verödet ist der Saal.

Wechselgespräch an...

Ein Sänger steht da, festgeschmückt,
Die Zither warm an das Herz gedrückt,
Die Saiten greift er begeistert;
„Was klingst du mein Spiel, was tönst du. Gesang,
Nas schwillst du, Zither, wie Seelendrang,
Wie eigen von Gluten gemeistert?“
„ „Glaubst Sänger wohl, ich fasse nicht,
Den Seelenkampf, das Busenlicht,

Die Bilder, die aufwärts streben?
Sie schimmern rein, wie Sternenland,
Sie brausen hoch, wie Flutenbrand,

Die deuten ein höher Leben.
„ „Ich ahnt’ es wohl, ich fühlt’ es tief,
Wenn klangentsprüht dein Wort mich rief,
Du schlugst nicht selber die Saiten:

Es war ein Hauch aus süß’rem Mund,
Hoch stieg er, tief aus Herzensgrund,
Lehrt zart die Leier dich streiten.
„ „Dann sprüht’ ein Antlitz wunderhold,
In Sang gefaßt, in Lockengold,
Das blitzte selt'ne Weisen;
Ihr Herz schlug voll, ihr Aug’ brannt’ hehr,
Du sankst in Traum, du warst nicht mehr,
Dann mußt’ ich feiern und preisen.