Gedichte

21

Und einst, vom Schlummer tief durchdrungen,
Im süßen Bett von weichem Moos,

Die Arm’ um zarten Leib geschlungen,
Erschien ein Dämon wundergroß.
Der trug sie hoch auf gold’nen Schwingen,
Wo’s sie, wie Zauberfessel band,

Und Töne wunderlich erklingen,
Wo einst die stille Hütte stand.

Epigramme

In seinem Sessel, behaglich dumm,
Sitzt schweigend das deutsche Publikum.

Braust der Sturm herüber, hinüber,

Wölkt sich der Himmel düster und trüber,
Zischen die Blitze schlängelnd hin,

Das rührt es nicht in seinem Sinn.
Doch wenn sich die Sonne hervorbegegnet,
Die Lüfte säuseln, der Sturm sich leget,
Dann hebt’s sich und macht ein Geschrei,
Und schreibt ein Buch: „der Lärm sei vorbei.“

Fängt an darüber zu phantasieren,

Will dem Ding auf den Grundstoff spüren,
Glaubt, das sei doch nicht die rechte Art,
Der Himmel spaße auch ganz apart,

Müsse das All systematischer treiben,

Erst an dem Kopf, dann an den Füßen reiben,
Gebärd’t sich nun gar, wie ein Kind,
Sucht nach Dingen, die vermodert sind,

Hätt’ indessen die Gegenwart sollen erfassen,

Und Erd’ und Himmel laufen lassen,

Gingen ja doch ihren gewöhnlichen Gang,
Und die Welle braust ruhig den Fels entlang.

Hegel. Epigramme

1
Weil ich das Höchste entdeckt und die Tiefe sinnend gefunden,
Bin ich grob, wie ein Gott, hüll’ mich in Dunkel, wie er.

Lange forscht’ ich und trieb auf dem wogenden Meer der Gedanken,
Und da fand ich das Wort. halt’ am Gefundenen fest.