Gedichte

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„Ich möcht” so gerne sterben,
Im Schmerze untergehn,
Den Himmel zu erwerben,
Und sehöner Land zu sehn!“

Sie schlägt den Blick mit Tränen
Hinauf zum Himmelslicht,
Und ihres Busens Wähnen
In stummen Seufzern spricht.

Dann legt sie leis sich nieder,
Und spricht ein tief Gebet,

Und Schlaf umhüllt die Glieder,
Und ein Engel über ihr steht.

Und Jahre zogen hinüber:
Die Wangen fielen ein,

Sie wurde still und trüber,
Sank mehr in sich hinein.

Vergebens sucht sie zu kämpfen,
Zu stillen den tiefen Schmerz,

Die Riesengewalten zu dämpfen.
Es springt das volle Herz.
Einst lag sie wieder versunken,
Im Bette ohne Rast,

Schien schon im Nichts ertrunken,
Vom Schlaze tief erfaßt.
Der Blick ist aufgerissen,
Er schaut so hohl und irr,

Scheint nicht mehr von sich zu wissen,
Sie redet geisterwirr.

Und aus dem Auge quillet
Ein Blutstrom ohne Wahl,
Da scheint der Schmerz gestillet,
Da hlitzt es wie Geistesstrahl.

„Ich seh’ den Himmel offen,
Mich faßt’s so selten an,

Zum Wesen wird mein Hoffen,
Ich darf den Sternen nahn!“

So bebt’s von den Lippen, den bleichen,
So hallt die Seele aus,

Die zarten Geister weichen,
Und fliehn zum Ätherhaus.