Gedichte |

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Soll ich staunen vor den Massen,

Die zum Himmel keck sich aufgetürmt?
Soll mich dieses Leben fassen,

Das dem Ungefähr entgegenstürmt?

Nein! ihr armen Zwerggiganten,
Und du kaltes, steinern Ungetüm,
Schaut den Blick, den weggewandten,
Ihn durchglüht der Seele Ungestüm.

Er durcheilet rings die Kreise,
Flieht durch sie mit raschem Forschersinn,
Und die Sehnsucht klingt, die heiße,
Höhnend durch die weiten Hallen hin.

Wenn ihr alle stürzet, sinket,
Gibt's nur eine Scherbenwelt,
Ib die kalte Pracht uns blinket,
Ob Ruin sich dumpf entgegenstellt!

Keine Grenze ist gezogen,
Keine harte, arme Scholle bannt,
Und wir segeln durch die Wogen,
Und wir wallen fort in fernes Land.

Keines mag uns festzuhalten,
Schließet unser Hoffen ein,
Es enteilen die Gestalten,
Und es bleibt des Busens Lust und Pein.

Diese weiten Ungeheuer
Sind nur ängstlich aufgerafft,
Fühlen nie das Liebesfeuer,
Das ans leerem Nichts sie schafft.

Keine Riesensäule hebet

Aus sich selbst in eins sich siegend auf,
Dürftig Stein an Stein gewebet,
Formen arm den hangen Schneckenlauf.

Doch die Seele fasset Alle,
Ist nur eine hohe Riesenglut,
Selber noch in ihrem Falle,
Peißt sie Sonnen in Vernichtungsflut.

Aus sich selber hebt sie siegend
Auf sich zu des Himmels Sitz,
Götter in der Tiefe wiegend,
Und in ihrem Auge Donnrers Blitz.
Mary-Enpels-Gesamtausgabe, I. Abt.. Bd. 1, 2. Hhd.