Gedichte

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„Und dieses sahst du wohl noch nicht,
Heut’ stieg zum erstenmale

Vom Mittag her das Purpurlicht,
Und sinkt hinab zum Tale?“

„ „Wohl sah ich’s einst, wohl schlug die Glut,
Sich fern in Purpurfalten,

Bis scheidend noch ihr Auge ruht,
Sie sehnend festzuhalten.

„ „Wir wallten still, die Klippe schlug,
Von ihrem Schritt’ gemeistert,

Leis küßt’ der Wind das Busentuch,
Sanft spricht ihr Aug’ begeistert.

„ „Ich lispelt’ Seufzer, liebekrank,
Sie bebte glutumroset,

Ich preßt’ ihr Herz, die Sonne sank,
Von Sternen weggekoset.
„ „Das zieht den Blick zur Felsenwand,
Das murmelt meine Lippe,

Sie winkt mir fern, wie Abendbrand,
Sie neigt sich von der Klippe.“ “

Lied an die Sterne

Es tanzen eure Reigen

In Schimmer und in Strahl,
Und eure Bilder steigen,

Und schwellen ohne Zahl.

Hier bricht die schönste Seele,
Hier springt das vollste Herz,

Und gleich ’nem Goldjuwele
Umfaßt es -Todesschmerz.

Es hebt zu euch die Augen,
Mit dunkler Allgewalt,
Will kindlich Hoffnung saugen,

Und Ewigkeitsgehalt,
Doch ach! ihr glänzt nur immer,
In ruh’gem Ätherschein,

Und Götter werfen nimmer
Die Glut in euch hinein,