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Dichtungen aus dem Jahre 1837
Ihr seid nur Truggebilde,
Von Strahlen flammt’s Gesicht.
Doch Herzensglut und Milde,
Und Seele habt ihr nicht.
Und euer Schein ist Höhnen,

Für Tat und Schmerz und Drang,
An euch zerschellt das Sehnen,

Und Busens Flammensang.
Wir müssen Leid ergrauen,
Verzweiflend untergehn,

Und dann zum Hohn schauen,
Daß Erd’ und Himmel stehn.
Daß, wenn wir auch erzittern,
’Ne Welt in uns ertrinkt,

Kein Baumstamm muß zersplittern,
Kein Stern heruntersinkt.
Sonst lägt ihr all’ begraben
Im tiefen blauen Meer,
Würd’t keine Strahlen haben,
Und längst kein Feuer mehr.
Dann sprächt ihr stumm die Wahrheit,
Und lögt nicht tote Pracht,

Und prangtet nicht in Klarheit,
Und ringsum wär’ es Nacht.

Traumbild
Dithyrambe
Aus den Träumen mögt’ ich schmeicheln
Leis ein Bild in duftgewebtes Netz,
Müßt' ich schon die Kreise schlingen,
Aus den eig’nen Lockenringen,
Müßt’ ich Herzblut nachtumflutet quelln.
Glutbild fortzuzjehn aus Traumeswelln,
Bild, das auf und niederwoget,
Äolstöne, Liebesschöne rauscht. -
Schwellen würd’ es, golden blinken,
Größer wölbte sich das enge Haus,
Meine Locken wallten ringend,
Himmelsweib. mit Schwarz umschlingend,
Fort zu Perlenliedern rollt mein Blut,
Strömend um des Marmornackens Glut.
Und die Lampe flackert Sonnen,. .
Himmelswölbung flutete mein Herz.