50 Dichtungen aus dem Jahre 1837
Pertini (einen Knaben rufend).
He Knabe! führ’ die Herrn hinauf zum Saal,
Sie wünschen nach der Wand’rung wohl Erholung,
Und auch allein zu sein und wollen wechseln
Des Reisekleides lästige Beschwer.
Oulanem. Wir lassen dich und kehren bald zu dir zurück,
(Oulanem und Lucindo mit dem Knaben ab.)
Pertini (allein, sieht sich behutsam um).
Er ist’s! bei Gott, er ist’s, der Tag ist da!
Den alten Freund, den konnt’ ich nicht vergessen,
50 wenig mein Gewissen mich vergißt,
Ha schön! jetzt tausch’ ich mein Gewissen um,
Und er wird’s jetzt, er ist’s, ’s ist Oulanem!
Nun mein Gewissen, wohl bekomm’ es dir,
Du standest jede Nacht vor meinem Bette,
Schliefst mit mir ein and hobst dich mit mir auf, —
Mein Aug’ dagegen, Mann, wir kennen uns!
Und mehr noch weiß ich, andre sind noch hier,
Die sind auch Oulanem, auch Oulanem!
Der Name klingt, wie Tod, er klinge fort,
Bis er im schnöden Träger ausgeklungen.
Halt! hab’ ich’s jetzt! Es steigt aus meiner Seele,
50 klar wie Luft, so fest wie meine Knochen,
Geharnischt steht sein Schwur mir vor dem Auge,
[ch hab’s gefunden und ihn laß’ ich’s finden!
Mein Plan ist fertig, seine tiefste Seele,
Sein Leben bist du selber, Oulanem,
Willst dir das Schicksal ziehn, wie eine Puppe?
Den Kalkulator mit dem Himmel spielen?
Aus deinen morschen Lenden Götter drechseln?
Mein kleiner Gott, bet’ deine Rolle ab,
Doch halt — bis auf das Stichwort — das für mich!

"Lucindo kömmt.)

Zweite Szene
Pertini. Lucindo.
Pertini. Warum denn so allein, mein junger Herr?
Lucindo. Mich treibt die Neugier, Alten ist nichts neu!
Pertini. So! Euer Alter!
Lucindo. Nein, doch wenn die Seele je

'Nen tiefen Wunsch in ihrem tiefsten Sitz,

Wenn ahndungsvolles Sehnen je genährt,

So wär’s ihn Vater nennen, Sohn ihm heißen,

Den solch ein männlich tief begeistertes,

Die Welten in sich saugendes Gemüt,