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Dichtungen aus dem Jahre 1837
Pertini. Was wünscht ihr? Freundschaft mit dem Galgen,

Verwandtschaft gar? nun, dafür schaff” ich Rat!
Lucindo (ernst), Ha, spielt mit leeren Silben nicht und Tönen.

Wo mir mein Inn’res braust!

Pertini. Laßt’s brausen, Freund,

Bis es sich ausgebraust!
Lucindo (auffahrend). Was soll’s?
Pertini. Was? Nichts!

Doch seht, ich bin ein trock’ner Hausphilister,

Ein Mensch, der jede Stunde Stunde nennt,

Und abends einschläft, daß er sich erhebe,

Wenn’s wieder Morgen ist, und Stunden zähle.

Bis er sich ausgezählt, das Uhrwerk steht,

Und nun die Würmer seine Zeiger werden,

So fort bis zu dem letzten Reichsgericht,

Wenn Jesus Christ mit Engel Gabriel

Den Katalog von unsren Schuldregistern,

Aus seiner Zorndrommete richtend liest,

Und uns zur Rechten oder Linken stellt,

Und uns die Felle mit der Gottesfaust betastet,

Zu finden, ob wir Lämmer sind, ob Wölfe!
Lucindo. Mich nennt er nicht, weil ich nicht Namen trage!
Pertini. So recht, so mag ich’s von euch hören!

Doch seht, weil ich ein Hausphilister bin,

So hab’ ich Hausgedanken, fasse an

Gedanken, wie ihr Steine faßt und Sand.

So scheint mir denn, wer seinen Stamm nicht kennt,

Und doch bei einem andern Stamm sich findet,

Der sei ein Nebenstamm!

acindo. Mensch, Mensch! Was war das?

Denk’ eher schwarz die Sonne, platt den Mond,

Und Alle, keinen Pfeil entsenden sie,

Doch hier ein Laut, — ein Ahnen — Leben wiegt’s!

ertini. Mein Freund, extemporiert mir nicht so wild.

Glaubt mir, ich leide nicht an Nervenkrampf!

Doch Nebenstämme sind oft grünend und bemoost,

Ja, ja, sie heben üppig ihren Lauf,

Und schießen prangend bis zum Himmel auf,

Als wüßten sie, daß sie in Freud’ entsprossen,

Daß nicht ein sklavisch Band sie dumpf erzeugt!

Seht, solche Nebenstämme sind Pasquille,

Natur ist Dichter, Ehe sitzt im Sessel,

"Ne Haube auf, nebst andrem Zubehör,

Das grämlichfade Antlitz dumm verzerrt,

Ein trocknes Pergament zu ihrem Fuß,

Des Pfaffen Lästerwort hineingekritzelt,

Der Kirche dumpfe Halln als Perspektiv,

EL

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