Oulanem

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Im Hintergrund des Pöbels schalkig Gaffen,
Da lob’ ich Nebenstämme!
Lucindo (auffahrend). Genug, für Gott!
Was ist es Mensch? Was meinst du? sprich’ es aus,
Doch bei dem Ewigen — ich spreche mit.
Was frag’ ich? liegt’s nicht klar vor mir entrollt,
Grinzt nicht die Hölle draus, steigt’s nicht
Vor meinem Blick, wie dürre Todgestalt,
Und glotzt mich an und murmelt Sturmesdrohn?
Doch Mensch, so leicht nicht, glaub’ mir, nicht so leicht
Hast du den Fackelbrand mir in die Brust
Aus dürrer Teufelsfaust hinabgeschleudert,
Glaub’ nicht, daß du mit einem Knaben würfelst,
Und ihm die Würfel an das kind’sche Haupt
Zerschmetternd wirfst, du spieltest rasch mit mir,
Nun sind wir, merk’ dir’s, sind wir Spielgenossen,
Schnell hast du dich vertraut gemacht, heraus
Mit allem, was dein Schlangenbusen wogt,
Und ist es Argwohn nur und ist es Hohn,
Dann schleudr’ ich ihn zurück dir in den Rachen,
Dann sollst du selbst dein Gift hinunterwürgen,
Dann spiel’ ich mit dir, doch nun sprich’, ich will’s!
Pertini. Ihr wollt’s? Ihr denkt an Mephistopheles und Faust,
Habt euch wohl tief darein vertieft, doch seht,
Ich sage nein, den Willen laß’ ich euch,
Und streu’ ihm Sand in seine blöden Augen!
Lucindo. Schon’ deiner selbst und blase nicht die Glut
Zu eng zusammen, bis sie aufwärts lodernd
Dich selbst verschlingt!
oPertini. ’Ne Phrase das, ’ne Phrase!
Der Einzige, den sie verschlingt, seid ihr!
Luecindo. Mich selbst! mich selbst! es sei! ich bin mir nichts,
Doch dich, dich fassen meine Jugendarme,
Sie klammern krampfhaft sich um deine Brust,
Der Abgrund gähnt uns beiden Nacht herauf,
Und sinkst du unter, lächelnd folg’ ich nach,
Und raun dir zu, hinab,! komm’ mit, Genosse!
Pertini. Ihr scheint mit Phantasie begabt zu sein,
Habt wohl schon viel geträumt in eurem Leben?
oLucindo. Getroffen habt ihr’s, Träumer bin ich,
Was will ich von euch wissen, der nichts weiß?
Ihr seht uns eben, seht uns, kennt uns nicht,
Und werft mir Spott und Lästerwort entgegen,
Was lang da zaudern? mehr von euch begehren?
Mehr habt ihr nicht — ich hab’ noch was für euch —
Für mich — die Schuld, — Schmach, Gift, ihr sollt sie lösen,
Ihr habt den Kreis gezogen, zwei erträgt
Er nicht — braucht eure Springerkünste jetzt —
Das Schicksal ziehe, was es zieht, es sei!