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Dichtungen aus dem Jahre 1837
Pertini. Den Schluß las’t ihr wohl eurem Lehrer vor,
Aus ’nem vertrockneten Tragödenbuch?
Lucindo, Tragödie spielen wir zusammen, recht,
Doch kommt, jetzt gleich, wo, wie, womit ihr wollt!
Pertini. Und wann und überall und irgendwann
Und nirgend!
Lucindo. Ha! Memme, klaub’re meine Worte nach,
Ins Antlitz zeichne ich die Memme hin,
Ich schrei es laut durch alle Gassen aus,
Und schlag’ dich vor dem Haufen, folgst du nicht,
Wagst du mit abgedrosch’nem Basenwitz
Zu spielen, wo mein Herzblut starrend stockt.
Kein Wort mehr, keine Silbe, folg’, folg’ nicht,
Dein Urteil ist gesprochen, Memme, Bube!
Pertini (auffahrend), Noch einmal das, noch einmal sag’ ich, Knabe! *
Lucindo. Wenn’s euch Vergnügen macht, noch tausendmal,
Wenn’s euch die Galle kitzelt, bis sie strömt,
Bis Blut aus eurem Auge wütend springt,
Ha, einmal noch, noch einmal, Bube, Memme!
Pertini. Wir sprechen uns, das schreibt in euer Hirn!
Ein Ort gibt's noch, der uns zusammenknüpft,
Es ist die Hölle! nicht für mich, für euch!
Lucindo. Was zählt ihr Silben her, gleich auf der Stelle
Ist’s abgemacht, dann flieht zur Hölle, flieht,
Erzählt den Teufeln, ich hätt’ euch gesandt!
Pertini. Ein Wort noch!
Lucindo. Nichts, was sollen Worte?
Ich hör’ euch nicht, haucht Blasen in den Wind,
Schreibt Züge ins Gesicht, die dazu passen,
Ich seh’s nicht. Waffen bringt, die sollen sprechen,
Das ganze Herz leg’ ich in sie hinein,
Und bricht’s nicht, — dann —
artini (ihn unterbrechend).
Nicht zu verwegen, Knabe, nicht zu knabenhaft!
Zwar du, du hast nichts zu verpfänden, nichts!
Du bist ein Stein, gefallen aus dem Mond,
Drauf hat man einen Konsonant gekitzelt,
Du sahst den Konsonant, er hieß Lucindo.
Sieh! an die leere Tafel wag” ich nicht
Mich, meine Ehre, Leben, alles dran.
Willst du mein Blut als Malertopf gebrauchen,
Ich soll der Pinsel sein, der Ton dir leiht?
Zu ungleich ist der Stand, zu fabelhaft,
Setz’ ich mich gegen dich, so wie du bist, ;
Ich bin, weiß, was ich bin, doch du, was du?
Du kennst dich nicht, bist nicht, hast nichts zu wagen?
Die Ehre willst du diebisch mir verpfänden,
Die nie in deiner Bastardbrust geglüht?