538 Dichtungen aus dem Jahre 1837
Pertini. Die raschen Donner müssen erst verhallen, ;
Soll Flammenblitz den Busen rein durchwallen,
Drum führ’” ich dich vorher an einen Ort, .
Fast fürcht’ ich, kömmst von da nicht weiter fort.
Lucindo. Sei’s, wo es sei, ich folg’ auf jeder Bahn,
Führt sie zum Ziel und schreitest du voran!
Pertini. Mißtraun! (beide ab.)

Dritte Szene.
Saal in Pertinis Hause, Oulanem allein, sitzt schreibend an einem Tische, Papiere
liegen umher, rasch aufspringend, geht auf und ab, bleibt plötzlich stehen mit ver- 16
schränkten Armen.
Julanem. Verfall’n! Die Stunde, sie ist abgelaufen,
Die Horen stehn, der Zwergbau stürzt zusammen! a
Bald preß’ ich Ewigkeit ans Herz und heule
Der Menschheit Riesenfluch in sie hinein.
Ha, Ewigkeit! Das ist ein ew’ger Schmerz,
Ein unaussprechlich unermess’ner Tod!
Schnöd’ Kunstwerk, uns zum Hohn. ersonnen,
Wir Uhrwerk, blindmechanisch aufgezogen,
Des Zeitenraums Kalendernarr zu sein,
Zu sein, damit doch irgendwas geschicht,
Zerfall’n, damit doch irgendwas zerfällt!
Ein Ding mußt’ sein, das für die Welten fehlt,
Des Schmerzes stumme Pein, der sie umklaustert,
Mit seiner Seele Riesenmacht in Lüfte wälzt, s
Lebendig wird der Tod, trägt Strümpf und Schuhe,
Der Pflanze Leid, des Steines dumpf Vergehn,
Der Vogel, der umsonst die Töne sucht,
Zu klagen, was sein luftig Leben kränkt,
Das Alles blinder Zwist und Kampf, zu schütteln,
Sich von sich selbst, im Zank sich 'aufzureiben,
Das alles steht nun auf und hat zwei Beine
Und eine Brust, den Lebensfluch zu fassen!
Ha! flechten muß ich mich ans Flammenrad,
Im Kreis der Ewigkeiten Lust zu tanzen!
Säb’s außer ihr ein Etwas, das verschlänge, ;
Ich spräng’ hinein, müßt’ ich ’ne Welt zertrümmern,- 0
Die zwischen ihr und mir sich aufgetürmt!
Zerschelln müßt’ sie am langgedehnten Fluche,
Die Arme schlüg’ ich um das harte Sein, .
Und mich umarmend müßt’ es stumm vergehn,
Und dann hinab, versinken in dem Nichts,
Ganz untergehn, nicht sein, es wäre Leben, a et
Doch so gewälzt hoch auf dem Strom der Ewigkeit, bs
Wehmelodie zu brausen für den Schöpfer, .
Hohn auf der Stirn! Brennt ihn die Sonne weg? .

30