Dichtungen aus dem Jahre 1837
Dankt dem Moment, wenn ich euch horchen muß,
Doch zaudert ihr, dann kostet’s euer Leben!
(Sie gehn in das Haus, der Vorhäng fällt, ein andrer wird aufgezogen. Zimmer,
modern, elegant, Beatrice sitzt auf dem Sofa, eine Gitarre neben ihr; Lucindo,
Pertini, Beatrice.)
Pertini. Beatrice, ich bringe hier,
nen jungen Reisenden, ’nen art’gen Herrn,
Weitläufig ist er meinem Blut verwandt!
Beatrice (zu Lucindo). Ihr seid willkommen!
Lucindo. Verzeiht, wenn ich nicht Worte,
Nicht Sprache find’ für mein erstaunend Herz,
So selt’ne Schönheit schlägt die Geister nieder,
Das Blut zuckt hoch empor, das Wort versagt. .
Beatrice. Schön, junger Herr! ihr seid wohl gut gelaunt,
Und eurer Laune dank’ ich’s, nicht dem Nutz,
Den mir ungütige Natur versagt,
Wenn eure Zunge spricht, nicht euer Herz,
Lucindo, O dürft’ mein Herz nur sprechen, dürft’ es nur
Ausströmen, was ihr tief hinabgesenkt,
Die Worte würden Flammenmelodieen,
Und jeder Hauch wär’ eine Ewigkeit,
Ein Himmel, ein unendlich großes Reich,
In dem die Leben all’ Gedanken blitzten,
Voll zarter Sehnsucht, voller Harmonien,
Das All in ihrem Busen hold verschließend,
Der Schönheit Ätherschein aus sich ergießend,
Denn jedes Wort, es trüg’ nur euren Namen!
ertini. Ihr nehmt’s nicht übel, Fräulein, sag’ ich euch,
Ein Deutscher ist’s, er wirft aus allen Ecken,
Mit Melodie und Seele um sich her.
Beatrice Ein Deutscher! nun, die Deutschen mag ich wohl,
Ich selbst, ich rühme mich desselben Stammes,
Setzt euch hieher, Herr Deutscher!
(bietet ihm einen Platz auf dem Sofa an.)
Lucindo. Dank’ euch, mein Fräulein!
(heimlich zu Pertini.)
Hinweg! jetzt gilt’s noch, hier bin ich verloren!
Beatrice (beschämt). Hab’ ich zu viel gesagt? —
(Lucindo will sprechen, Pertini läßt ihn nicht zu Wort kommen.)
Pertini, Ha! spart ’nen Einfall, spart ’ne Schmeichelei,
’S war nichts, Beatrice, nur ein Geschäft,
Daß ich dem Herrn noch rasch besorgen soll,
Lucindo (verwirrt, leise).
Was Pertini? Bei Gott, ihr spielt mit mir!
Pertini (aut).
Nun laßt euch das nicht grämen, nicht so bang!
Das Fräulein traut mir auf mein Wort, nicht wahr,

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