Berichte des Zensors St.Paul über Marx

(Original: Geh. Staatsarchiv, Berlin.
Gedruckt bei Hansen, Rheinische Briefe u. Akten z. Gesch. d. polit. Bewegung
18230-—1850. Bd. I. Essen 1919. p. 472, 473, 489, 490)

2. März 1843:

„Dr. Marx ist allerdings hier der doktrinäre Mittelpunkt, der leben-
dige Quell der Theorien des Blattes; ich habe ihn kennen gelernt, er stirbt
auf seine Ansichten, die ihm zur Überzeugung geworden sind; er ist ent-
schlossen, Preußen zu verlassen und unter den jetzigen Umständen jede

o Verbindung mit der Rh.Ztg. aufzugeben; jetzt ist er vorderhand nach Trier
gegangen, um seine Braut... heimzuführen.“
9,.—10.März 1843:
„Ich habe ganz neuerdings nun die hiesigen Hauptarbeiter des Blattes,
namentlich den einflußreichsten unter ihnen, den Dr. Marx, persönlich
5 näher kennen gelernt, dessen philosophische und politische Ansicht kennen
zu lernen mir von großem Interesse gewesen ist. Wir haben mehrere, er-
schöpfende Unterredungen gehabt, deren Ergebnisse ich mir vorbehalte
ausführlich mitzuteilen, da sie den Einblick in die Elemente und Rich-
tungen der geistigen Bewegung der Gegenwart gewähren. So gewiß die
„ Ansicht des Dr. Marx auf einem tiefen spekulativen Irrtume beruht, wie
ich ihm auf seinem eigenen Terrain nachzuweisen bemüht war, so gewiß
ist er von der Wahrheit seiner Meinung überzeugt, wie denn überhaupt
den Mitarbeitern der Rh.Ztg., soweit ich sie kennen gelernt, eher alles
andre, nur nicht Gesinnungslosigkeit im eben erwähnten Sinne zur Last
» fällt. Es kann dies freilich nur ein Grund mehr sein, sie von direktem
und leitendem Einflusse, bei etwaiger Fortdauer des Blattes, zu entfernen.“

18. März 1843:
„Der spiritus rector des ganzen Unternehmens, Dr. Marx, gestern defi-
nitiv ausgetreten . . .“
21. März 1843:

„Nachdem Dr. Marx . .. abgegangen ist, gibt es hier in Köln in der
Tat keine Persönlichkeit mehr, welche die Zeitung in ihrer früheren odiösen
Dignität zu erhalten und ihre Richtung mit Energie zu vertreten ver-
möchte,“