Ein Artikel der Mannheimer Abendzeitung über Marx __ 153
fasser sich in die hohlen Äußerungen der Abgeordneten gleichsam hinein-
fraß, und sie dann von innen heraus vernichtete; nicht oft ward der
kritische Verstand in solcher zerstörungslustigen Virtuosität gesehen, nie
hat er glänzender seinen Haß gegen das sogenannte Positive gezeigt, das-

; selbe so in seinen eigenen Netzen gefangen und erdrückt. National-
Skonomen, namentlich Forstmänner, wollten hingegen, bei den übrigens
liberalsten Ansichten, behaupten, dem Aufsatze über Holzdiebstahl fehle
die ausreichende Kenntnis und Würdigung der betreffenden Zustände und
Gesetze; nach der bloßen abstrakten Vernunft lasse sich nicht Alles plötz-

‚9 lich neu konstruieren etc. Die Polemik gegen die „Augsburger Zeitung“,
sowie gegen die „Kölnische Zeitung“ ist jedenfalls von Marx geführt
worden; es war seine ganze dialektische Art, seine Konsequenz, seine
Üppigkeit gegen Beliebiges und Behäbiges zu deutlich darin hervor-
stechend. Im Ganzen ist gewiß, daß Marx der Polemiker par excellence

5 bei der „ Rheinischen Zeitung“ war, und man tut ihm wohl nicht Unrecht,

wenn man namentlich die Journalpolemik auf seine Rechnung schreibt,
und zwar in dem größten Teil ihres Umfanges. Auch soll, nach einem
Gerüchte, die berühmte Rechtfertigung des Moselkorre-
spondenten, welche Herr v. Schaper hervorrief und inmitten
» in der Rede stockte, gerade als die Zeitung verboten wurde, aus seiner Feder
zeflossen. sein. Wir wagen dies natürlich bei der Kitzlichkeit des Falles
nicht zu behaupten, damit wir nicht zu einem Widerruf gezwungen wer-
den; doch spricht noch der Umstand dafür, daß Marx von der Mosel, aus
Trier selbst, gebürtig ist, und also wohl Veranlassung zu diesem Thema,
w so wie die nötigen Beweismittel seiner Behauptung zur Hand haben
konnte. Jedenfalls sprach sich in der Durchführung besagter „Recht-
Fertigung“, soweit sie dem Publikum zu Gesichte gekommen ist, eine hohe
Überlegenheit des Geistes und bei aller Energie ein gewisses diploma-
tisierendes Talent aus, das von den Tatsachen weg die Diskussion auf
; allgemeine Grundgedanken hinzuführen und sodann die hervorstechenden
seltenen Fakten, so wie namentlich das der Petition an den vormaligen
Kronprinzen und deren Folgen in ein um so grelleres Licht zu setzen
wußte.
Dieselbe Kunst sprach sich auch sehr bedeutsam in der Entgegnung
35 auf einen Artikel der „Augsb. Zeit.“ über die ständischen Aus-
schüsse, der noch dazu halboffziell zu sein schien, aus, indem der
Verfasser der Entgegnung eine höchst schlaue, man möchte fast sagen,
perfi-diplomatische Manier annahm, und dem Gegner in-
sinuierte, bei Diskussionen über staatliche Institute befehde man zu-
ıo nächst nicht diese Institute selbst, sondern die gegnerische Meinung über
dieselben. In dem Umstande, daß eine solche halb oder ganz diplomatische
Form gewählt wurde, welche mit andern, dreisten, scharfen und
bittern Formen denselben Schriftsteller zum Autor hatte, zeigt sich
allerdings eine merkwürdige Begabung und eine seltene Vielseitigkeit
= des Talentes. Und so mag es denn wohl gerade den Redakteur Marx be-