Aus der Deutschen Zeitungsschau der Deutsch-Französischen
Jahrbücher

Die Bremer Zeitung.

Dieses junge Blatt hat in Berlin eine wahre Blume des alten guten
Stils von 1813 und 1815 entdeckt, einen Korrespondenten ohne Fehl
und Tadel, einen Bayard der guten Presse. Der © Korrespondent der
Augsburger Zeitung, der den Schwanenorden und die diesterwegsche Me-
thode des dialogischen Universitätsunterrichts 4 jour gefaßt hat, ist gegen
ihn ein gemeiner Handwerker, Herr Guizot soll in Berlin wegen des

o Herzogs von Bordeaux mit Abreise des Gesandten gedroht haben. „Weder
das Staatsrecht, sagt, Bayard, noch die höhere konventionelle
Etikette berechtigen Frankreich zu einer solchen Drohung, die wir
als ein förmliches Übergreifen betrachten müssen und deren
stillhingenommene Akzeptation wir weder von dem Öst-

‚x reichischen, noch von dem preußischen Kabinett und Hof zu er-
warten uns bewogen finden. Wir begreifen nicht, wer den sou-
veränen König von Preußen verhindern will, den Urenkel Marien There-
siens bei sich zu empfangen und im neuen Winterp alais wohnen
zu lassen. Wie es heißt, wird man von verschiedenen diplomati-

schen Zentralstellen gegen jene Äußerungen des Herrn Guizot
protestieren?).“ Also noch einmal: „Die stillhingenommene Akzeptation
wird von den diplomatischen Zentralstellen widerlegt werden und das
Ganze als ein Verstoß gegen die höhere konventionelle Etikette erscheinen.“
Der Stil ist deutsch, er ist bremisch, er ist ganz eingeweiht in die diplo-

» matischen Zentralstellen, und der Mensch, der dieser zentralisierte, kon-
zentrierte, elektrisierte Stil ist, dieser nicht peripherische Diplomat, er
wird die bremische Zeitung zur „stillhingenommenen Akzeptation“ von
vanz Europa machen. Man wird sie lesen, um gesund zu bleiben.

‚Gebt mir meine Decke wieder!“

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Derselbe Normalkorrespondent der Brem. Zeit. schreibt aus Berlin
den 26. Januar: .„In Sanssouci lebt der König in verstaubten Zimmern
mit einem Ameublement, das dem schlichtesten Bürger kaum genügen
würde. Auf dem Schreibtisch des Königs ist eine Decke ausgebreitet, halb-
durchlöchert und fast durchsichtig. Als nun neulich der besorgte Kammer-

‚ diener statt dieser Decke (die schon Friedrich der Große benutzte) eine
moderne und prächtige hinlegte, geriet der König in großen Unwillen
und rief: „Ich will meine Decke wieder haben! So etwas Neues bekomm’
ich allenthalben; aber was schon meinen Ahnen gedient, wer ersetzt mir
das?“ Es ist nicht nötig, daß etwas geschieht, um die Zeitungen pikant

1) In der Bremer Zeitung remonstrieren