(5) 1835 Nov. 18—29

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die Meinung, welche ich trotz Deiner mancher guten Eigenschaft hege,
daß der Egoismus in Deinem Herzen vorherrschend ist. —
Die Mutter weiß nichts von diesem Schreiben. Ich will ihre Ängst-
lichkeit nicht noch vergrößern, aber ich wiederhole es, es ist von Dir
5 unverantwortlich.
Ich meinerseits kann abwarten — aber ich erwarte, daß Du umgehends
die Mutter beruhigst.
Dein Vater
Marx.

5, Der Vater an Marx in Bonn mit Nachschrift
der Mutter: Trier 1835 November 18—29
Original: Archiv der Sozialdemokratischen Partei, Berlin
Lieber Karl!
Zuvörderst einige Worte über mein Schreiben, welches Dir möglich
Verdruß gemacht haben mag. Du weißt, daß ich nicht pedantisch auf
meine Autorität halte und auch meinem Kinde gestehe, wenn ich Unrecht

‚5 habe. Ich hatte Dir wirklich gesagt, erst nachdem Du etwas Dich näher
umgesehn, zu schreiben. Du hättest indessen doch, da die Sache solange
zuging, meine Worte weniger buchstäblich nehmen sollen, besonders da
Du weißt, wie ängstlich und besorgt die gute Mutter ist. Es ist nun über
dies Kapitel genug.

Dein Schreiben, das mit Not lesbar war, hat mir viele Freude gemacht.
Zwar hege ich keine Zweifel über Deinen guten Willen, Deinen Fleiß,
auch nicht in Beziehung auf Deinen festen Vorsatz, was Tüchtiges zu tun.
Indessen freut es mich, daß der Anfang Dir angenehm und leicht ist,
und daß Du Deinem Berufsfache Geschmack abgewinnst,

Neun Kollegien scheint mir etwas viel, und ich wünsche nicht, daß Du
mehr tust, als Körper und Geist vertragen können, Wenn Du indessen
keine Schwierigkeit dabei findest, so mag es gut sein. Das Feld des
Wissens ist unermeßlich und die Zeit kurz. Du wirst mir wohl im
nächsten Schreiben etwas mehr und näher ausführlich Bericht erstatten.

z Du weißt, wie sehr mich alles interessiert, was Dir nahe angeht.

Bei den juristischen Kollegien darfst Du nicht ford[ern]*) [.?.]?)
schmelzend und poetisch sei. Der Stoff erlaubt es nicht [. ? . ] Dich-
tung, wirst Du Dich wohl bequemen müssen und se [. ? .] des tiefsten
Denkens wert zu finden. Entschuldige [. ? .] Fächer.

Was soll ich Dir nun weiter sagen? Dir predigen? Um [.?.] wohl
sagen, was Du nicht weißt? Obschon genug von [. ? . ] Natur Dich so
ausgestattet, daß wenn Du wahrhaft der [. ? . ] Dein heller Verstand,
Dein reines Gefühl. Dein unverdorben [ . ? . ] unterrichten. um vom
1) Ein Stück des Papiers ausgerissen, die Lücken im ganzen Brief werden durch
Punkte angedeutet,
2) Dem Sinne nach etwa daß ihr Inhalt