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(6) 1836 Anfang des Jahres
wan ich neugierig bin wie du deine kleine haushaltung eingerichtet, ob
die Oekonomie auch die Hauptrolle schpielt das bey grosse wie bey kleine
Haushaltungen eine unerläßliche nohtwendigkeit ist, dabey erlaube ich
mir zu bemerken lieber Carl das du Reinlichkeit und ordnung nie als
nebensache betrachten mus den davon hängt gesundheit und frohsin ab
halte pünktlich darauf das deine Zimmeren öfters gescheurt werden setze
eine Zeit darauf fest — und scheure du meinen lieben Carl Wöchentlich
mit der Schwam und Seife — wie gehts den mit den Cafee Fabrieirst du
Ihn oder wie verhält es sich, ich bitte mir alles was die Haushaltung
angeht mitzutheilen, deine Liebenswürdige Muse wird doch nicht durch ıo
die Prosa deiner Mutter beleydigt fühlen, sage Ihr durch das niedere wird
das höhere und bessere erziehlt, nun so gehabbe dich wohl hast du für die
Weynachte einen wunsch zu eusseren die ich gnüge leisten kan so bin
ich mit vergnügen dazu bereit nun lebe Wohl mein lieber theurer Carl
sey braf und gut und habbe immer Gott und deine Eltern für Augen adieu z5
deine dich liebende Mutter Henriette Marx.

Alle Kinder grüssen dir und küssen dir und wie das nun immer zu
zehn pflegt bist du der Liebenswürdigste und beste. —

6. Der Vater an Marx in Bonn mit Nachschrift
der Mutter; Trier [1836 Anfang des Jahres]

Original: Archiv der Sozialdemokratischen Partei, Berlin

Lieber [Karl!]t)

Wenn die Schilderung Deines Zustandes nicht etwas poetisch war —
was ich wünsche — so ist sie sehr geeignet uns zu beunruhigen. Ich hoffe
wenigstens, daß die traurige Erfahrung Dir die Notwendigkeit dartun 25
wird, Dich etwas aufmerksamer auf Deinen Gesundheitszustand zu
machen. Nach einem guten Gewissen ist dies das höchste Gut des
Menschen, und die Sünden der Jugend in jedem unmäßigen oder gar an
und für sich schädlichen Genusse rächen sich fürchterlich. Ein trauriges
Beispiel haben wir hier an Herrn Günster. Von Laster ist bei ihm zwar 30
keine Rede, aber Rauchen und Trinken haben seine ohnehin schwache
Brust zerrüttet, und schwerlich erlebt er den Sommer. Sein Leben selbst
ist ein Leiden, und es geht ein ausgezeichneter Geist an ihm verloren.

Selbst übermäßiges Studieren ist Tollheit in solchem Fall. Dahin-
gegen sind mäßige Beweg [ungen ]!), als spazierengehen, selbst zuweilen 35
reiten, aber nicht toll?)[,] sehr zuträglich, heiterer Mut und Bes ei-
tigung] *) aller Grillen noch besser.

Deine Rechnung, lieber Karl, ist ä la Carl, ohne Zusammenhang,
ohne Resultat. Kürzer und bündiger und nur die Ziffern regelmäßig in
Kolonnen gesetzt, wäre die Operation sehr einfach gewesen, und man %
fordert auch von einem Gelehrten Ordnung, besonders aber von
einem praktischen Juristen.

Ich finde im Ganzen nichts einzuwenden, nur glaube ich, daß An-
1) Papier abgerissen.
?) Hier irrtümlich noch einmal sind