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eine Stütze sein könntest, ist zu schön, und lächelt ein gutmütiges Herz zu
sehr an, als daß ich sie Dir entziehen wollte.

Ich habe für den Augenblick weiter nichts hinzuzusetzen und emp-
fehle Dir nur wiederholt, Deine Gesundheit zu schonen und zu erhalten.
Es gibt kein beklagenswertres Wesen als ein siecher Gelehrter, und keine
anglücklicheren Eltern als jene, welche einen hoffnungsvollen und mit
Aufopferung erzogenen Sohn hinschwinden sehn. Beherzige das. Ich
kann nur an Dein Herz appellieren, denn ich glaube es gut und edel. Es
ımarmt Dich von ganzer Seele Dein Vater Marx.
ENachschrift der Mutter]
lieber theurer Carl! Dein [u]nwohlseyn hat uns‘sehr betrübt, doch
1offe und wünsche ich das du wieder hergestellt seyn wirst — und ob-
schon ich seher ängstlich in hinsicht der gesundheit meiner liebe Kinder
bin,so bin ich doch überzeugt das wen du lieber Carl vernünftig ha[n]delst
du ein hohes alter erreichen kanst — aber dazu must du alles vermeiden ı:
was das übel steigeren kan, du darfst dir nicht zu sehr erhitzen nicht viel
Wein noch Cafee trinken und nichts scharfes viel pfeffer oder sonst
gewürts genießen, darfs kein taback rauchen nicht zu lang aufbleiben
abends und früh aufstehn. Hütte dir auch für erkältung und tanze nicht
lieber Carl bis du wieder ganz hergestellt bist, es wird dir lächerlich 2
scheinen lieber Carl dass ich so den Doctor mache du weisst nicht wie es
den Elteren zu herzen geht wen sie Ihre Kinder nicht gesund und wie
manche trübe Stunde es uns schon verursacht hat — macht nur das Ihr
Kinder moralich und körperlich gesund bleibt und für den übrigen seyd
unbekümmert, der liebe Vatter wahr den ganzen wintter der Himmel sey 25
Dank wohl und an arbeit fehlte auch nicht und alle waren wir noch immer
recht wohl — wie gefält dir den mein vaterstadt — die lage ist recht
schön und ich hoffe es möchte dir so begeistert habbe, das es dir Zum
gedicht stof geben schreibe bald lieber Carl lieber wenig nur las es nicht
zu lang zu gehen adieu deine dich liebende ich küsse dir im gedanken 30
lieber Carl deine mutter Henriette Marx.

7. Der Vater an Marx in Bonn; Trier 1836
März 19
Driginal: Archiv der Sozialdemokratischen Partei, Berlin
Lieber [Karl!]1)
Dein Schreiben empfange ich soeben, und muß ich gestehn, daß ich
Stwas verwundert darüber bin.

Was Dein[en] Brief mit der Rechnung betrifft, so sagte ich Dir schon
damals, daß ich nicht drauskommen konnte. Soviel sah ich, daß Du
Geld brauchst, und deswegen habe ich Dir 50 Taler geschickt. Das macht 4
mit dem, was Du mitgenommen, immer 160 Taler. Du bist im ganzen
fünf Monate weg, und jetzt sagst Du nicht einmal, w a s Du brauchst. Das
st jedenfalls sonderbar. Lieber Karl, ich wiederhole Dir, daß ich alles

1) Papier abgerissen.

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