{8) 1836 April 27

191

recht gerne tue, daß ich aber als Vater von vielen Kindern — und du
weißt recht gut, ich bin nicht reich — nicht mehr tun will, als zu Deinem
Wohl und Fortkommen notwendig ist.
Wenn Du daher etwas über die Schnur gehauen hast, so mag es, weil
; es muß, verschleiert werden. Aber ich versichere Dich, „das nec p lus
ultra“ ist das Ausgeworfene. Nach meiner Überzeugung kann
es mit weniger durchgesetzt werden, und Herr Notar Müller von hier gibt
weniger und kann es vielleicht besser tun, aber mehr unter keiner Be-
dingung, ich müßte denn besondere Glückszufälle haben, die aber nicht
„zur Zeit existieren, im Gegenteil ist meine Einnahme vermindert, Ich
sage das durchaus nicht, um Dich zu betrüben, weit entfernt, aber um Dir
meinen festen Entschluß ein für allemal an den Tag zu legen.
Ich lege eine Anweisung an Herrn Kaufmann Lotterieeinnehmer, wie
mir Herr Hofmann sagt, an dem Universitätsgebäude, da wirst Du Geld
15 nehmen, sovi[el . ? . ]*) brauchst.
Nun Gott befohlen, und komme bald. Wir erwarten Dich alle mit
Sehnsucht.

mn

Trier, 19. März 1836.

Dein treuer Vater
Marx.

[Nachschrift]
Ich bitte Dich, lieber Karl, schreibe auf der Stelle, aber schreibe offen,
anverhohlen und wahr. Beruhige mich und die liebe gute Mutter, und wir
wollen das kleine Geldopfer bald vergessen.

[Auf der Adreßseite]
Herrn Karl Marx. studiosus juris in Bonn

Marx.

8. Der Vater an ?, Appellationsrat [in Köln];
Trier [1836] April 27
Original: Archiv der Sozialdemokratischen Partei, Berlin
Trier, den 27. Apr.
Hochgeehrter Herr Appellationsrat!

Es ist zwar sehr problematisch, ob Sie sich noch eines so unbedeu-

tenden Mannes, wie der Unterzeichnete, entsinnen, und so möchte es
‚5 vielleicht bei Ermanglung eines zureichenden Grundes wenig geeignet
erscheinen, das entschlummerte Andenken zu wecken.

Aber was tut ein Vater nicht für den Sohn? Mein Karl, Kandidat
des Rechts, wünscht sehnlich den humanen, gemütlichen Sohn des Mannes
zu sehn, den er von der Wiege an mit Ehrfurcht und Liebe nennen hört,

no und glaubt, daß ein Schreiben seines Vaters ihm einen freundschaftlichen
Empfang bereiten würde. Ein kleines Gefühl von Eigenliebe hält mich
ab, ihm seine Hoffnung zu rauben, und so ziehe ich denn in Gottes
Namen, wie ein unbekannter Bankier, einen Wechsel. die Akzeptation
dem Schicksal überlassend.

1) Papier abgerissen.