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Einer Teilnahme an verbotener Verbindung unter Studierenden ist
derselbe nicht verdächtig geworden.
Zur Urkund dessen ist dieses Zeugnis unter dem Insiegel der Uni-
versität ausgefertigt und von dem zeitigen Rektor, auch von den gegen-
5 wärtigen Dekanen der juristischen und der philosophischen Fakultät
eigenhändig unterzeichnet worden.
Bonn, den 22. August 1836,
Der Rektor Der Dekan der juristischen Fakultät
Freytag, Walter.
1 Der Universitäts-Richter Der Dekan der philosophischen Fakultät
v. Salomon. Loebell.
Oppenhoff.
U. SS.
Gesehen durch den außerordentlichen Regierungs-Bevollmächtigten
15 und Kurator v. Rehfues.

12. Der Vater an Marx in Berlin; Trier 1836
November 9
Original: Archiv der Sozialdemokratischen Partei, Berlin
Trier, den 9. Ober 1836.
Lieber Karl!

Wir hatten zwar vor Erhaltung Deines Schreibens bereits Nachrichten
von Dir, indem Herr Jaehnigen so artig war mir zu schreiben. Sein
Brief ist sehr verbindlich für Dich und mich. Er ersucht mich sogar
sehr innig, Dir seines Wunsches Erfüllung zu empfehlen, ihn und seine
Familie sans g&ne recht oft zu besuchen; und da ich eine so kleine Figur
in der Welt spiele, so kann ich wohl an der Aufrichtigkeit dieses Mannes
um so weniger zweifeln, als ich überhaupt denselben immerwährend
als einen der achtbarsten und edelsten Männer handeln gesehn. Es ist
einem jeden wohltuend, die Achtung eines solchen Mannes zu genießen,

zo dessen Herz und Kopf zu den Privilegierten gehören.

Daß Herr Esser Dich so auszeichnete, war mir unerwarteter, und es
gereicht Dir zur Ehre, denn es beweist dieser Umstand, daß Du trotz
Deiner strengen Grundsätze es verstehst, mit den verschiedenartigsten
Menschen menschlich umzugehn. Die Grundsätze erinnern mich an

35 meine dereinste Jugend, um so strenger, als sie meine einzige Habe waren.
Die Geschicklichkeit hatte ich nicht, und das läßt sich leicht erklären.
Die Mutter sagt, Du seiest ein Glückskind. Ich habe nichts dagegen.
Wolle Gott, daß Du es glaubest! Wenigstens in der Beziehung zweifl
ich keinen Augenblick an Dein Herz, daß es Dir ernst ist, wenn Du Dich

so in dem Besitze Deiner Eltern glücklich ergibst. Und wohl nirgends mag
etwas Übertreibung verzeihlicher sein als in diesem Punkte, und es
schadet nichts. wenn da das Herz den Kopf beherrscht.

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