(12) 1836 Nov. 9

Wenn auch Herr Reinhard krank ist, so hat er doch wohl einen
Clerc, und der muß doch von meinem Sohne etwas wissen,

Herr Sand ist nicht von, ist Bruder des Gal.Advocates Sand aus
Köln und am Kassationshofe angestellt. Herr Meurin kennt ihn gut.
Im Notfalle kann er Dir über meine Sache Auskunft geben, wo er wahr-
scheinlich der Gegner ist.

Daß Dir Herr Meurin so gut gefällt, freut mich sehr, denn ich liebe
ihn vorzüglich. Er gehört zu den Seltenen, die bei dem Welttone ein gutes
Herz behalten. Sein praktischer Verstand beschämt gewiß manchen
hochgelehrten Herrn. u

Ganz vorzüglich freut es mich, daß Du bei gebildeten Leuten ein-
wohnst und mit jungen Leuten, wenigstens Nichtgeprüften, wenig Um-
gang pflegst. Das einzige, worum ich Dich bitte, übertreibe auch das
Studieren nicht, sondern erhalte Deine Körperkräfte und Dein so arg
angegriffenes Gesicht. Du hast viele und wichtige Kollegien genommen — ı:
Du hast allerdings Ursache viel zu arbeiten, aber reibe Dich nicht auf,
Du hast noch lange, will’s Gott, zu Deinem und Deiner Familie Wohl, und
wenn mich meine Ahnungen nicht irren, zum Wohl der Menschheit zu
leben.

Ich habe für den Augenblick noch kein Kaufhaus ausgemacht. Ich 2
will mit Herrn v. Nell darüber sprechen. Einstweilen erhältst Du
hier 50 Taler. Gegenwärtig mußt Du ungefähr abmessen können, was
Du jährlich notwendig brauchst, und das wünscht’ ich doch zu wissen.

Ich habe Dir aus Frankfurt, wo ich wegen Hermann war, geschrieben.
Herr Donner hat ihn an den Hofrat versorgt. Er wurde abgegeben den 2:
20. 8ber, Du scheinst ihn noch nicht erhalten zu haben. Dort wurde etwas
stark gepredigt, und deswegen will ich es auch lange nicht mehr tun. Doch
wünsche ich auf jenes Schreiben Antwort, Wegen des einen und freilich
so höchst wichtigen Punkts ersuche ich Dich sogar, außer den besondern
Brief an mich noch einen extra besondern einzulegen. Ich habe zwar in &
der Regel für die gute Mutter nichts geheim. Doch hier besorge ich zur
Zeit noch ihre allzu große Ängstlichkeit, die nicht wie bei dem Manne
durch das lebhaftere Gefühl der strengen Pflicht zureichend bekämpft
wird.

Ich bin zwar kein Engel und weiß, daß der Mensch nicht vom Brote 36
allein lebt. Aber vor der Erfüllung einer heiligen Pflicht muß Neben-
absicht schweigen. Und ich wiederhole es, es gibt für den Mann keine
heiligere Pflicht, als die er gegen das ‘schwächere Weib übernimmt. Sei
daher in dieser wie in jeder andern Beziehung gegen mich ganz offen,
wie gegen einen Freund. Aber wenn nach abgehaltener Selbstprüfung «0
Du wirklich beharrest —, dann mußt Du sofort ein Mann werden. Das
hindert dennoch nicht den poetischen Schwung, auch der Aufschwung zur
Pflichterfüllung ist sehr poetisch. —

Hermann ist heute nach Bruxelles, wo er in ein gutes Haus kommt,
indessen 1000 Fr. für die Enträe sogleich bezahlen mußte. Dafür ist 4.
dieses bloß verbunden, ihm Anleitung zu allen vorkommenden kauf-
männischen Geschäften zu geben, ohne Zeitbestimmung, so daß es von
seinem Fleiße und Einsicht abhängt, so schnell als möglich sich instand
zu setzen, selbständig zu werden. Von seinem Fleiße erwarte ich viel.

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