(13) 1836 Dez. 28

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von der Intelligenz desto weniger. Er wohnt, wie es sich versteht, nicht
bei dem Handelsherrn, muß sich überhaupt zur Zeit ganz unterhalten.
Schade, daß der herzensgute Junge nicht mehr Kopf hat!

Menni besucht das Gymnasium, und wie es scheint, will er doch
etwas mehr Eifer zeigen. — Die Mädchen sind brav und fleißig. Die
Haare stehn mir zu Berg, wenn ich bedenke, daß jetzt diese Ware nur
vergoldet gesucht wird und ich diese Kunst so wenig verstehe.

Warum hast Du mir gar nichts Näheres über Kleinerz gesagt? Es

19 interessiert mich doch sehr, zu wissen, was aus ihm geworden.

Nun, Gott befohlen, guter, lieber Karl, und liebe Deinen Vater immer

so. wie er Dich liebt.
Marx.

13. Der Vater an Marx in Berlin mit Nach-
schrift der Mutter und der Schwester Sophie;
Trier 1836 Dezember 28

Original: Archiv der Sozialdemokratischen Partei, Berlin
Lieber Karl!

Trier, den 28. Dez. 1836.

o Wenn ich weniger nachsichtig wäre, wenn ich überhaupt lange Groll
hegen könnte, und besonders gegen meine Lieblinge, so würde ich wohl
Grund haben, dir gar nicht zu antworten. Es ist an und für sich nicht
Jöblich überspannt empfindlich zu sein, am wenigsten gegen einen Vater,
dessen Fehler wohl grade nicht Strenge ist.

Wenn Du bedacht hättest, daß ich zur Zeit, als ich Dir den letzten
Brief zusandte, außer Deinem ersten Briefe noch kein anderes Schreiben
von Dir hatte; daß der Zeitraum etwas groß war — selbst von meinem
zweiten hiesigen Schreiben an gerechnet — daß ich, der ich mich einmal
in eine Sache — die mir an und für sich nicht grade erfreulich war —,

vo gemischt hatte, aus Pflichtgefühl gegen eine wirklich höchst würdige
Person, ich über ein Stillschweigen höchst empfindlich werden mußte,
das mir unerklärlich war, und daß, wenn ich nun mich einiger Ausdrücke
bediente, die hart klingen mochten, ich erstens an und für sich nicht
glaubte, meine Worte auf die Wagschale zu legen, aber auch nicht ganz *)

5 Ursache empfindlich war; übrigens versichre ich Dich, ich hatte nicht den

animus calumniandi.

Hätte ich nicht eine hohe Meinung von Deinem guten Herzen, ich
würde Dir überhaupt nicht so anhängen und bei Verirrungen weniger
leiden, denn Du weißt, daß, so hoch ich Deine intellektuellen Anlagen

o stellen mag, sie mir ohne gutem Herzen ohne alles Interesse sein würden.
Aber Du selbst gestehst, daß Du mir früher einige Veranlassung gegeben,
gegen Deine Selbstverleugnung einigen Zweifel zu hegen. Und in Berück-
sichtigung alles dessen hättest Du wohl etwas weniger empfindlich gegen
Deinen Papa sein dürfen.
ı) Hier fehlt das Wort ohne