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für Dich hast, nur die Form noch nicht geebnet ist, werde ruhig, mäßige
diese Stürme, errege sie ebensowenig in dem Busen eines Wesens, das Ruhe
verdient und bedarf. Deine Mutter, ich, Sophie, das gute Kind, das im
hohen Grade sich selbst verleugnet, wachen für Dich, soviel es die Lage

5 erlaubt, und. für. Deine Anstrengungen lächelt Dir in der Zukunft ein
Glück, welches zu verdienen jede Mühseligkeit ebenet,

Deine Ansichten des Rechts sind nicht ohne Wahrheit, aber sehr
geeignet, in ein System gebracht, Stürme zu erregen, und weißt Du nicht,
wie heftig gelehrte Stürme sind. Wenn das Anstößige in der Sache nicht

jo ganz zu beseitigen ist, so müßte wenigstens die Form mildernd und ge-
fällig sein.

Du sagst mir gar nichts von Meurin — auch nicht, ob Du bei Herrn
Eichhorn warst.

Schreiben mag ich nicht jetzt an Herrn J[achnige]n, und da grade

15 keine Dringlichkeit vorhanden ist, so kannst Du die Gelegenheit abwarten.

Wenn Du mit der gewöhnlichen Post dicke Briefe schreibst, so kosten
sie sehr teuer. — Der vorletzte hat ein Taler gekostet. — Auch Pakete mit
Schnellpost sind teuer — das letzte hat auch ein Taler gekostet.

Wenn Du in der Zukunft viel schreiben willst, so schreibe alle mög-

% lichen Sorterien, damit wir manches und verschiedenes hören. Lasse es
dann zum Pakete anschwellen und schicke diese mit dem Packwagen, Du
nimmst diese kleine ökonomische Bemerkung nicht übel.

Ich hoffe, daß Du den Wein nunmehr empfangen haben wirst. Trinke
daraus Munterkeit und lasse alle Nebensprünge, alle Verzweiflung —

2 und lasse im Leben die Poesie, wenn sie nicht verschönert, wenn sie nicht
beglückt.
[Nachschrift der Mutter]
Lieber Carl dein lieber vatter ist so eilig mit den brief wegzuschicken
das mir nichts übrig bleibt wie dir Herzlich zu grüßen und zu küssen —
zo deine dich liebende Mutter
Henriette Marx.
[Fortsetzung vom Vater]
Einliegend eine Kassenanweisung von 50 Taler. Wenn Du vorziehst,
daß ich suche dort ein Haus Dir auszumachen, so mußt Du mir ungefähr
;s sagen, was ich Dir monatlich bestimmen soll. Jetzt mußt Du wohl eins ins
andere dies anzugeben wissen. Ml[arx].
[Nachschrift der Schwester Sophie]
Dein letzter Brief, lieber Karl, hat mir bitt’'re Tränen erpreßt; wie
konntest Du denken, daß ich versäumen würde, Dir Nachricht von Deiner
wo Jenny zu geben!? Ich träume und denke nur an Euch. Jenny liebt Dich;
wenn der Unterschied der Jahre ihr Kummer macht, so geschieht’s ihrer
Eltern wegen. Sie wird dieselben jetzt nach und nach vorzubereiten
suchen; alsdann schreibe ihnen selber; Du giltst ja viel bei ihnen.
Jenny besucht uns häufig. Gestern war sie noch bei uns und weinte
; bei Empfang Deiner Gedichte Tränen der Wonne und des Schmerzes.
Unsere Eltern und Geschwister lieben sie sehr, letztere über alle Maßen;
vor zehn Uhr darf sie uns nie verlassen, wie gefällt Dir das? Adieu,
lieber, guter Karl, meine herzlichsten Wünsche zum guten Erfolge Deines
herzlichsten Wunsches.