(14) 1837 Febr. 3

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Entschluß mußt Du fassen, — wenn auch nicht in dem Augenblicke, doch
in diesem Jahre, und wenn er gefaßt ist, ihn fest ins Auge fassen und un-
erschütterlich verfolgen. Es ist für Dich noch lange die Schwierigkeit
nicht, wie für Deinen Papa es war, Advokat zu werden.

; Du weißt, lieber Karl, ich habe aus Liebe zu Dir mich in etwas ein-
gelassen, was nicht meinem Charakter ganz anpaßt und was mich wohl
zuweilen drückt. Aber mir ist kein Opfer zu groß, wenn es das Wohl
meiner Kinder erfordert. Ich habe auch das unbegrenzte Zutrauen Deiner
J[enn]y erworben. Aber das gute, liebenswürdige Mädchen peinigt sich

10 unaufhörlich — fürchtet Dir zu schaden — Dich zur Überanstrengung
zu verleiten, etc. etc. etc. Drückend ist es für sie, daß ihre Eltern nichts
wissen oder, wie ich glaube, nichts wissen wollen. Sie kann sich selbst
nicht erklären, wie sie, die ganz Verstandmensch zu sein glaubte, sich so
hinreißen ließ. Etwas Menschenscheu mag mit unterlaufen. ;

Ein Brief von Dir — den Du einschlagen darfst — den aber nicht der
phantastische Poet diktieren darf, kann Trost bringen. Er muß zwar, wie
ich daran übrigens nicht zweifle, voll zarten hingebenden Gefühls und
reiner Liebe sein, aber er muß hell und klar das Verhältnis auffassen,
die Aussichten erörtern und beleuchten. Es müssen die ausgesprochenen

zw Hoffnungen unumwunden, klar und mit fester Überzeugung dargelegt
werden, damit sie wieder überzeugen.

Es muß die Versicherung fest ausgesprochen sein, daß dies Verhältnis,
weit entfernt Schaden Dir zu bringen, die glücklichsten Wirkungen für
Dich hätte, und in gewisser Beziehung glaube ich das selbst. Dahingegen

» fordere mit Festigkeit, mit dem männlichen Übermute, der das arme
Kind so unverwahrt gefunden, daß sie nun nicht schwanke, nicht zurück-
sehe, sondern mit Ruhe, Zutrauen und festem Blick die Zukunft erwarte.

Was sagst Du zu Deinem Vater? Findest Du nicht, daß ich mich zum
Erstaunen zum Unterhändler qualifiziere? Wie schief möchte ich wohl

w von manchem beurteilt werden, wenn meine Einwirkung bekannt würde?
Welche unlautere Beweggründe möchte man mir vielleicht unterlegen?
Doch ich mache mir keine Vorwürfe — der Himmel gebe nur sein Ge-
deihen, und ich werde mich höchst glücklich dadurch fühlen.

Bei Herrn Eichhorn wäre es schicklich zu gehn, doch überlasse ich

35 das Dir, Aber bei den Herren J[aehnige]ln und Efsselr, ich wiederhole
es, wünsche ich Dich öfters zu [sehen].

Nicht weniger gut möchte es wohl sein, bei einem wenigstens der
einflußreichsten Professoren etwas näheren Zugang zu suchen. —

Hast Du den jungen Herrn Schriever nicht mehr gesehn? Da wir in

w sehr guten Verhältnissen stehn und Delle Schriever wahrscheinlich Deinen

Freund Karl von Westphalen ehelichen wird, so wäre es mir lieb, da er
ohnedies bald herkommen soll, daß Du ihn einige Male suchest. ;

Hast Du gar nichts Näheres über den Dr. Kleinerz gehört? Es wäre
mir doch lieb, etwas von ihm zu vernehmen.

Du erhältst hierbei einen Kreditbrief. Er ist höher gestellt, als Du
selbst forderst. Ich wollte ihn aber deswegen nicht abändern lassen, weil
ich jetzt das Zutrauen zu Dir habe. daß Du nicht mehr, als nötig ist,
brauchst. Ä

Nun Gott hefohlen. lieber Karl. schreibe bald. wenn Du einen äqui-

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