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(15) 1837 März 2
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valenten Brief, wie den geforderten, noch nicht geschickt hast. -—
Schreibe auch, was Dein Hausherr macht, der mich sehr interessiert.

Herr v. Notz sagte mir, Du würdest in den Herbstferien hierher-
kommen. Ich bin der Meinung durchaus nicht, und wenn Du Dein Ver-
hältnis und das Dir teurer Personen überlegst, so wirst Du mir beitreten
müssen. Aber möglich wäre es, daß ich nach Berlin reise. Was sagst
Du dazu?
Dein treuer Vater }
Marx.
Meinem lieben Freunde Meurin und seiner liebenswürdigen Dame vw
empfehle mich bestens, Sage dem ersteren, daß er wohl tun würde, mir
einen Augenblick zu schenken.

P.S. Es wäre nicht übel, lieber Karl, wenn Du etwas leserlicher
schreiben wolltest. —

J[enn]y sehe ich selten, sie kann nicht, wie sie will, Du kannst ruhig 15
sein, ihre Liebe ist treu. — Wenn Du, wie ich es wünsche, geschrieben.
dann werde ich Antwort verlangen.

15. Der Vater an Marx in Berlin; Trier 1837
März 2
Original: Archiv der Sozialdemokratischen Partei, Berlin

Trier, den 2. März 1837.

Es ist wunderbar, daß ich, von Natur ein fauler Schreiber, ganz
unerschöpflich bin, wenn ich Dir schreiben soll. Ich will und kann meine
Schwäche gegen Dich nicht verbergen. Mein Herz schwelgt zuweilen in
Gedanken an Dich und Deine Zukunft. Und dennoch zuweilen kann ich 2;
mich trauriger, ahnender, Furcht erregender Ideen nicht entschlagen,
wenn sich wie ein Blitz der Gedanke einschleicht: Ob Dein Herz Deinem
Kopfe, Deinen Anlagen entspricht? — Ob es Raum hat für die irdischen,
aber sanftern Gefühle, die in diesem Jammertale dem fühlenden Men-
schen so wesentlich trostreich sind? Ob, da dasselbe offenbar durch einen z
nicht allen Menschen verliehenen Dämon belebt und beherrscht wird,
dieser Dämon himmlischer oder faustischer Natur ist? Ob Du je — und
das ist für mein Herz nicht der wenigst Peinigende Zweifel — je für

wahrhaft menschliches — häusliches Glück — empfänglich sein wirst?
Ob Du je — und dieser Zweifel ist seit kurzer Zeit mir nicht weniger 34
märternd, seit ich eine gewisse Person wie mein eignes Kind liebe —
das Glück auf die nächste Umgebung zu verbreiten imstande sein wirst? —
Was mich auf diesen Ideengang brachte, wirst Du fragen? Schon
öfters haben mich dergleichen Grillen befallen, ich verscheuchte sie
leicht, denn es war mir immer Bedürfnis, Dich mit all der Liebe und «
Achtung zu umfassen, deren mein Herz fähig ist, und ich vergesse mich
überall gerne. Aber ich sehe eine auffallende Erscheinung in J [enn]y. Sie,
lie sich so ganz mit ihrem kindlichen. reinen Gemüte Dir hingibt. zeigt