(23) 1838 Febr, 15—16
[Nachschrift, der Schwester Sophie]

Du wirst Dich freuen, lieber Karl, etwas von Vater zu hören; mein
langer Brief kommt mir jetzt so unbedeutend vor, daß ich nicht weiß, ob
‘ch ihn mitschicken soll, da ich fürchte, daß er das Porto nicht wert sein
möchte.

Mit Väterchen geht’s besser; es ist auch bald Zeit; Vater liegt jetzt
bald 8 Wochen zu Bette und steht erst. seit wenigen Tagen auf, um’s
Schlafzimmer refraichieren zu lassen; hat heute eine Kraftanstrengung
ınternommen, Dir mit zitternder Hand einige Zeilen geschrieben. Das
arme Väterchen ist jetzt sehr ungeduldig; kein Wunder: einen ganzen
Winter im Rückstand mit den Geschäften, und der Bedarf ist jetzt viermal
größer wie sonst. Ich singe täglich Väterchen und lese auch vor. Schicke
doch einmal die mir so lange versprochene Romanze. Schreibe doch
gleich, es wird allen eine angenehme Zerstreuung sein, Karoline ist un-
wohl, und Louise liegt auch zu Bette und hat aller Wahrscheinlichkeit nach

das Scharlachfieber; Emilie ist munter und guter Dinge und Jette eben
nicht vom liebenswürdigsten Humor.

23. Die Mutter an Marx in Berlin mit Nach-
schrift des Vaters; Trier [1838] Februar 15—16
Original: Archiv der Sozialdemokratischen Partei, Berlin
Lieber theurer Carl!

Wir habben die beste Hoffnung das es mit den liebe vatter besser geht
jer Husten hat beynah ganz nachgelassen der liebe vatter leidet an gicht-
schmerzen so das die Ärzte glauben der Husten sey ein gichthusten nur ist
es schlim das der gutte vatter gahr kein lust um essen hat und so das 2
Herstellen beschwert der gutte vatter mus schon 2 monatte das Bett hütten
und durch das Unwohlseyn ziemlich Reizbar geworden so kan ich dir
aicht genug anempfehlen lieber Carl in deine brieffe recht zärtlich zu seyn
dan werden sie vom gutten vatter mehrere mahlen wiederlesen, du gutter
Carl es wird von dir zu viel gefordert in aller hinsicht das Menschen Herz 2
kan nicht alles umfassen apropos von Herz, deine krankheit nens du eine
Terzerweitterung dieses beängstet mich sehr schreibe mir lieber Carl ob
las Übel ganz gehobben oder ob du noch leidest, strenge dir nicht zu viel
ın und wisse das die gesundheit das wesentlichste ist ohne diese ist man
zanz verlooren, beruhe mir über diesen punkt und übrigens entlasse ich #
lir alles schreiben an mir direct damit dies dir kein Zeit rauben soll ich
kenne ja doch dein liebevolles Herz und weis du wirst mir nicht ver-
zessen — wen die liebe jeny zu uns kommt so bleibt sie gewönlich den
‘ag über bey uns und sucht den vatter zu unterhalten es ist ein liebevolles

kind welches wie ich hoffe dir einst glücklich machen wird lebe wohl 4
lieber gutter Carl wen du nur wieder gesund währst.
Deine dich liebende Mutter Henriette Marx.
Den 16. Febr.
Da der brief noch nicht abging wil ich noch nachschriftlich dazu
melden das es mit den lieben vatter seyn Husten bedeutend besser geht 45