(36) 1841 März 31

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angemessen. Reiße Dich doch nur diesmal tüchtig heraus, so hast Du ge-
wonnen. Wenn ich nur in Trier sein könnte, um den Deinigen einmal die
Sache vorzustellen. Ich glaube, das Kleinstädtische trägt auch etwas zur
Verwicklung bei. Schwerlich werde ich jedoch in diesem Sommer Trier
berühren können, da ich endlich die Arbeit mit den Evangelien vom Halse
haben will, um andere Sachen anfangen zu können.

Willst Du aber Deiner Braut sagen, daß ich es für eine der glück-
lichsten Folgen der Freundschaft mit Dir halte, daß ich ein so hohes weib-
liches Wesen kennenlernen soll, und wie sehr ich mich auf den Tag freue,

‚og wo ich ihr persönlich meine Huldigung darbringen und meine Verehrung
aussprechen darf, so machst Du mir damit eine große Freude.

Deine Braut ist fähig, alles mit Dir zu ertragen, und wer weiß, was
noch kommen wird. Die Entscheidung, soweit sie sich in einem äußern
Bruch aussprechen wird, glaube ich, kommt immer näher, und wer kann

5 sagen, wie sich die Regierungen dann stellen werden? Die Lumpen
sind aber in jedem Falle geschlagen, wenn sie auch von den Regierungen
bis in alle Ewigkeit beschützt werden. Mache nur, daß Du auftrittst, Du
gibst auch Deiner Braut dadurch alle Ruhe, die nur möglich ist.

Du wirst lachen, wenn Du hörst oder vielmehr hören wirst, wie ich

» den Plan der Zeitschrift im Kopfe umherwälze. Nur Ruge tut mir leid;
ich meine es aufrichtig gut mit ihm, und in jedem Falle werde ich die An-
gelegenheit so zu Ende führen, daß er sich nicht zu beklagen hat und an
meiner Aufrichtigkeit nicht zweifeln kann. Vom Gewitter, das sich über
seinem Haus zusammenzieht, ahndet er noch nichts, ich werde es ihm sehr

»5 schonend, ehe es losdonnert, zeigen. Ich denke, die Sache wird sich, ob-
wohl sie eine strenge Krisis herbeiführen wird, zum allgemeinen Wohl-
gefallen aller Wohlgesinnten, auch Ruges, auflösen. Gegen alle Fremde
mußt Du das strengste Stillschweigen beobachten.

Trendelenburg wird natürlich eines der ersten Opfer sein, welches Du

zo der beleidigten Philosophie darbringst.

Kommst Du nach Bonn, so wird dieses Nest vielleicht bald der Gegen-
stand der allgemeinen Aufmerksamkeit werden, und wir können hier die
Krisis in ihren wichtigsten Momenten herbeiführen. Der Kampf mit der
hiesigen theologischen Fakultät wird auch vielleicht immer ernster; wenn
mein Buch nur erst heraus ist, was bald geschehen wird, so werde ich noch
sinen tüchtigen Schlag hinzufügen. Zunächst mache ich mich jetzt an
einen größeren Aufsatz, in welchem ich gegen die Richtung der Regierung
auftrete. Die Hunde können uns nichts anhaben, sie haben Furcht, aber
sie sind zähe,

Hast Du von Weißes Rezension gehört? eben als ich am Sonntag
den letzten Brief an Dich und Edgar auf die Post getragen hatte, war sie
im Kasino angekommen, und las ich sie. Er hat mich noch viel zu positiv
gedacht und wird wahrscheinlich erschrecken, wenn er den zweiten Band
zu Gesicht bekommt. Ich bin neugierig, wie er sich herauswickeln wird:

ı ich denke aber, ich werde alle, welche noch Interesse an der Sache haben,

fortreißen.

Weißes Aufsatz in den Brockhausischen Blättern über die Wahlver-
wandtschaften ist sehr gut. Hast Du ihn gelesen?

Denke Dir, vorgestern kommt jemand auf meine Kneipe gerückt, kün-

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