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(39) 1841 April 12
und es bleiben, Du magst sie sanft wie ein Milchkind oder tausendmal
berserkerartiger aussprechen, als Du sie ausgesprochen hast, Was hast Du
denn! Mach doch der Geschichte ein Ende und reiß Dich endlich heraus!

Natürlich erwähnte ich den Aufsatz von Schramm nur deshalb, weil er

sich Hegels annahm, während der vorhergehende Aufsatz mit kanni-
balischer Dummheit Hegel ins Gesicht schlug. Die Geschichte, wie Du
gesehen haben wirst, ist weiter gegangen, und der S. hat sich sehr unglück-
lich aus der Affäre gezogen.

Weiß man in Berlin etwas Genaueres davon, daß die Hallischen Jahr-

bücher in Preußen verboten werden sollen und weshalb es geschehen soll? 70

Gestern habe ich wieder eine Probe von der Dummheit gesehen. Da war
ich in Gesellschaft, und ein Professor, der sonst für liberal gilt, fragte
mich nach Werder. Als ich sagte, daß er — Heines schönes Epigramm
durfte ich zwar nicht anbringen — früher Dichter gewesen sei und in
Kompanie mit Veit und Stieglitz gesungen habe, sagte man bewundernd: ız
aha! daher kommt auch seine jugendliche Poesie, die sich in seiner öffent-
lichen Rede neulich bewies. Die Leute sind zu dumm. Ernst und Schärfe
ınd Männlichkeit ist ihnen zuwider.

Hier zirkuliert jetzt die Rede, welche der Graf Westphalen in Münster
gehalten, und die Kabinettsordre, die ihn von Berlin weggeschickt hat. 20
Es macht viel Aufsehen, habe es aber noch nicht zu Gesicht bekommen
können, da die Zirkulation erst gestern angefangen hat. Die Landtags-
verhandlungen sind schändlich dumm und ihr Abdruck in den Zeitungen
fast berechnet, um das letzte Interesse daran zu ersticken. Diese Hunde
mit ihrem Vertrauen! Ihre Buttermilch sollte ihnen mit Prügeln in den 2;
Rachen geschüttet werden!

Jenen Vers des Äschylus darfst Du jetzt auf keinen Fall in Deine
Dissertation aufnehmen, überhaupt nichts in sie aufnehmen, was die
philosophische Entwicklung überschreitet. Wozu den Schafsköpfen jetzt
in diesem Augenblick, wo Du noch gar nicht weißt, wie Du Dich placieren z0
kannst, mit Mutwillen einen Brocken hinwerfen, der ihnen Anlaß zum
Schreien gibt und sogar [.?. 1*); um Dich für lange Zeit von jedem Ka-
theder entfernt zu halten. In dieser Dissertation mußt Du durchaus bei
der philosophischen Form bleiben, und in dieser kannst Du ja alles sagen,
was in solchen Mottos liegt. Nur jetzt nicht! Nachher, bist Du einmal auf 35
dem Katheder und mit einer philosophischen Entwicklung aufgetreten,
kannst Du ja sagen, was Du willst und in welcher F orm Du willst. Es
kostet ja Not, die philosophische Form durchzuhalten, weshalb. die Not
vergrößern ohne Grund, und der Dummheit den Anlaß geben, den sie nur

sucht, in der Form aber nicht so leicht findet. Hast Du aber das Motto
schon drucken lassen, so mag es sein; sieh, wie Du die Leute schlägst.

Wie gesagt: nachher alles, nur in diesem Augenblicke nicht!

Meinem Aufsatze, den ich sehr schnell hingeworfen und jetzt vollendet
habe, habe ich auch ein Motto zum Thema gegeben, welches famos ist.

Aber ich sitze doch schon, und sie können mich. so leicht nicht vertreiben. 4

Du mußt bedenken, daß Du auch Deiner Braut die Not vergrößerst,
wenn Du durch einen populären Ausfall Dir den Zugang zum Katheder
erschwerst. Nachher wirst Du ja ohnehin Not genug haben,

1) Unleserliches Vort.