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(42) 1841 Juni 38
zezeigt, daß ich Besseres zu leisten imstande sei als Raumer und Ranke
und daß es eine Schande sei, daß man mir keine Stellung gebe, in welcher
ich ganz der Wissenschaft leben könnte. Meyen ist ein prächtiger Kerl,
er besucht mich bisweilen, und gestern bin ich mit ihm spazieren ge-
wesen, Wenn ich mir wieder einen Schönheitsfreund wähle, so ist es vor
der Hand kein andrer als er, Vielleicht wird er Dein Nachfolger werden.
Die süddeutschen Konstitutionellen haben mich im Stuttgarter Courier
nachgedruckt, was freilich sehr inkonstitutionell ist. Wir haben, wenn
Du Dich erinnerst, bisweilen von dem verrückten Dr. Schopenhauer ge-
sprochen. Ich führte manchmal eine Lieblingsphrase von ihm an, daß zo
nämlich unter allen Völkern die Vielweiberei erlaubt sei, nur nicht bei
ziner gewissen Judensekte, nämlich bei den Christen. Dieser Türke hat
jetzt zwei Preisschriften, eine gekrönte und eine ungekrönte („Über die
Grundprinzipien der Moral“, Frankfurt a, M.) herausgegeben, in welchen
er Hegel, nebenbei auch Fichte, für dessen Anhänger er bisher gegolten 7:
hat, fürchterlich heruntermacht. Er erklärt den summus philosophus,
wie er Hegel nennt, geradezu. für wahnsinnig. Mundt triumphiert dar-
über in einem langen Aufsatz im Piloten. Er erklärt den Angriff für
das jüngste Gericht der Hegelschen Philosophie. Ich schreibe Dir das,
damit Du bei Gelegenheit Trendelenburgs auch des pP. Schopenhauer in 2
Ehren gedenkst.

Hast Du den Brief der Bettina an Spontini in der Augsburger gelesen?
Meyen hat ihn da abdrucken lassen. Darüber ist ein grundgemeiner,
zotiger und zugleich polizeilich-schuftiger Artikel im Hamburger Korre-
3pondenten erschienen. Sie wird da unter anderm genannt ein „Besen“, 24
„eine Sieben“, die doch sonst lieber mit dem „Leder“ (im bergmänni-
schen Sinn) als mit der „Feder“ losgehe usw. Der Verfasser ist wahr-
scheinlich unser vielteurer Joel Jacobi, indes versichert mich Stuhr, daß
er darüber ganz andre, aber ganz geheime Nachrichten habe. Übrigens
ist Spontini mit seinem ganzen Gehalte pensioniert.

Sr. Majestät Friedrich Wilhelm IV. sind jetzt in meinem teuren
Vaterlande, um zu sehen, ob die Drömlinger Bauern, die Stuhr, wenn
er sie kennte, wahrscheinlich mit zu den Pelasgern rechnen würde, noch
dümmer sind als gewisse andre Leute. Er hat ganz in der Nähe meines
edlen Vaterdorfes auf einem Bauernhofe zu Mittag gegessen zugleich mit 20
dem besagten Bauer, dem Schulzen, dem Pastor und dem Landrat. Die
Altemärker sind, wie ich aus einem Briefe meines Vaters sehe, rein wahn-
sinnig; sie wiehern förmlich vor Loyalität und Liebe zu dem geliebten
Herrscher. Kyritz, mein Vaterland!

Eine andere Geschichte wirst Du in den Zeitungen gelesen haben. #
Sr. Majestät Friedrich Wilhelm IV. haben nämlich eine Kabinettsordre
an die Breslauer Bürgerschaft erlassen, worin Sich Allerhöchstdieselben,
wenn sie diesen Semmer nach Breslau kommen werden, jede Feierlichkeit
verbitten, weil sotane Bürgerschaft ihren Landtagsdeputierten beauftragt
hat, die Angelegenheit vom 22. Mai 1815 zur Sprache zu bringen. Die 4
Breslauer Bürgerschaft wird wahrscheinlich eine hündisch-kriechende
Antwort geben.

Daß sechsunddreißig ordentliche Professoren eine, übrigens dumm
abgefaßte Protestation gegen die Einsetzung eines Kurators eingereicht