(54) 1842 März 20

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wird es bald nötig sein, statt von der religiösen Anthropologie von
der religiösen Zoologie zu sprechen.
So viel wußte ich schon, als ich noch jung und gut war, daß die
Eier, die man in Berlin legt, keine Ledaeier, sondern Gänseeier
5 sind. Etwas später kam die Einsicht, daß es Krokodileier sind, so
z. B. das neueste Ei, wodurch angeblich auf Antrag der rheinischen
Stände die ungesetzlichen Beschränkungen der französischen Ge-
setzgebung betreffs Hochverrats etc. Beamtenvergehn aufge-
hoben sind. Diesmal aber, weil es sich von objektiven gesetzlichen
io Bestimmungen handelt, ist der Hokuspokus so dumm, daß die
dümmsten rheinischen Juristen ihn sofort durchschaut haben. Zu-
gleich hat Preußen das gewiß naive Bewußtsein ausgesprochen,
daß die Öffentlichkeit der Gerichtsverhandlungen das Ansehn und
den Kredit der prleußischen] Beamten aufs Spiel setzen würde.
ö Das ist doch einmal ein rundes Bekenntnis. Unsere rheinischen
Schreibereien über Öffentlichkeit und Mündlichkeit laborieren alle
an einem Grundübel. Die ehrlichen Leute beweisen fort und fort,
daß dies keine politischen, sondern bloß rechtliche Institutionen,
daß sie Recht und nicht Unrecht seien. Als wenn es sich darum
zo handelte! Als wenn das Schlimme an diesen Einrichtungen nicht
eben darin bestände, daß sie Recht sind! Ich hätte große Lust,
das Gegenteil zu beweisen, nämlich daß Preußen Öffentlichkeit
und Mündlichkeit nicht einführen darf, weil freie Gerichte und
ein unfreier Staat sich nicht entsprechen. Ebenso müßte man
#5 Preußen eine große Eloge von wegen seiner Frömmigkeit halten,
denn ein transzendenter Staat und eine positive Religion gehören
zusammen, wie ein Taschengott zu einem russischen Spitzbuben.
Der Bülow-Cummerow läßt, wie Sie aus den chinesischen Zei-
tungen ersehn haben werden, seine Feder mit seinem Pfluge koket-
3 tieren. O0 über diese ländliche Kokette, die gemachte Blumen
trägt! Ich glaube, Schriftsteller von dieser irdischen Stellung — die
Stellung auf dem Acker ist doch wohl irdisch — wären erwünscht,
noch erwünschter, wenn künftig der Pflug für die Feder dächte
und schriebe, die Feder dagegen Frondienste als Revanche ver-
35 richtete. Vielleicht kömmt es dahin bei der jetzigen Uniformität
der deutschen Regierungen, doch je uniformer die Regierungen,
je vielformiger sind heutzutage die Philosophen, und hoffentlich
besiegt das vielformige Heer das uniforme.
Ad rem, denn die Politica gehören bei uns biedern mora-
 lischen Deutschen zu den Formalia, woher Voltaire schon her-
leitet, daß wir die gründlichsten Lehrbücher über öffentliches
Recht besitzen.
Also was die Sache betrifft, so habe ich gefunden, daß der Auf-
satz „über christliche Kunst“, der jetzt umgewandelt ist in „über
es Religion und Kunst mit besondrer Beziehung auf christliche