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(54) 1842 März 20
Kunst“, total zu reformieren ist, indem der Posaunenton, worin
ich redlich erfüllt hatte: „Dein Wort ist meines Fußes Leuchte
und ein Licht auf meinem Wege. Du machst mich mit Deinem
Gebot weiser, denn meine Feinde sind, denn Deine Zeugnisse sind
meine Rede, und Er, der Herr, wird aus Zion brüllen“ — dieser
Posaunenton samt der lästigen Gefangenschaft in Hegels Dar-
stellung jetzt mit einer freieren, daher gründlicheren Darstellung
zu verwechseln ist. In einigen Tagen muß ich nun auch nach Köln
reisen, wo ich mein neues Domizil aufschlage, da die Nähe der
Bonner Professoren mir unerträglich ist. Wer will immer mit 20
geistigen Stinktieren konversieren, mit Leuten, die nur lernen. um
neue Bretter an allen Ecken der Welt zu finden?

Also aus diesen Umständen könnte ich die Kritik der Hegel-
schen Rechtsphilosophie wohl für die nächsten Anekdota nicht mit-
schicken (da sie auch für die Posaune geschrieben war), die Ab- 5
handlung über religiöse Kunst verspreche ich bis Mitte April,
wenn Sie so lange warten wollen. Es wäre mir um so lieber, da
ich von neuem point de vue die Sache betrachte, auch als Anhangs-
kapitel einen Epilog de Romanticis gebe. Ich werde einstweilen
tätigst, um goethisch zu sprechen, an der Sache fortarbeiten und z
Ihre Bestimmung abwarten. Wollen Sie mir gefälligst hierüber
nach Köln schreiben, wo ich anfangs nächsten Monates sein werde.
Da ich daselbst noch kein bestimmtes Domizil habe, bitte ich mir
den Brief unter der Adresse von Jun g einzusenden.

In der Abhandlung selbst mußte ich notwendig über das allge- 2
meine Wesen der Religion sprechen, wo ich einigermaßen mit
Feuerbach in Kollision gerate, eine Kollision, die nicht das Prin-
zip, sondern seine Fassung betrifft. Jedenfalls gewinnt die Religion
nicht dabei.

Von Köppen habe ich lange nichts gehört. Haben Sie sich noch 2
nie an Christiansen in Kiel gewandt? Ich kenne ihn nur aus seiner
römischen Rechtsgeschichte, die indes auch manches über Religion
und Philosophie überhaupt enthält. Er scheint ein sehr vorzüg-
licher Kopf, obgleich er damals, wenn er an eigentliches Philo-
sophieren kommt, ganz erschrecklich unverständlich und formell z
schreibt. Vielleicht schreibt er jetzt auch Deutsch. Sonst scheint er

ä la hauteur des principes.

Ich freue mich sehr, Sie hier am Rhein zu sehn.

Ihr Marx.

Bauer schreibt mir soeben, daß er wieder nach dem Norden
will, in der törichten Meinung, seinen Prozeß contra preußische «
Regierung daselbst besser führen zu können. Berlin liegt zu nahe
bei Spandau. Jedenfalls ist es gut, daß Bauer die Sache nicht so