(56) 1842 April 27
Dennoch bin ich beinahe fertig. Ich werde Ihnen vier Aufsätze
einsenden: 1. „über religiöse Kunst“, 2. „über die Romantiker“,
3. „das philosophische Manifest der historischen Rechtsschule“,
4. „die positiven Philosophen“, die ich ein wenig
gekitzelt habe. Die Aufsätze hängen dem Inhalt nach zusammen.

Den Aufsatz über religiöse Kunst erhalten Sie in einem Duodez-
auszug, da die Sache unter der Hand beinahe zu einem Buch
herangewachsen ist und ich in allerlei Untersuchungen hinein-
geraten bin, die noch längere Zeit hinnehmen werden.

Meinen Plan, in Köln zu residieren, habe ich aufgegeben, da z0
das Leben mir dort zu geräuschvoll ist und man vor lauter guten
Freunden nicht zur bessern Philosophie kömmt.

Der Rheinischen Zeitung habe ich einen langen Aufsatz über
unsren letzten rheinischen Landtag mit einer frivolen Introduk-
tion über die preußische Staatszeitung zugesandt. Bei Gelegen- 15
heit der Preßdebatten komme ich wieder auf Zensur und Preß-
freiheit zurück von andern Gesichtspunkten aus.

Einstweilen wird also Bonn meine Stätte bleiben, und es wäre
auch schade, wenn niemand hier bliebe. an dem die Heiligen ein
Ärgernis nehmen.

Gestern kam der Hasse aus Greifswald an, an dem ich nie
etwas andres als seine großen Landpfarrerstiefel bewundert habe.
Er sprach auch ganz wie ein Landpfarrerstiefel, wußte von Gott
und der Welt nichts, präpariert die Ausgabe eines mehrbändigen
Buchs über den langweiligen Anselmus von Canterbury, woran er %
zehn Jahre gesessen, meint, die jetzige Kritik sei ein Moment, was
überwunden werden müsse, spricht von der Religiosität als einem
Produkt der Lebenserfahrung, worunter er wahrscheinlich seine
gedeihliche Kinderzucht und seinen dicken Bauch versteht. denn
dicke Bäuche machen allerlei Erf ahrungen, und, sagt Kant, wenn’s 0
nach hinten geht, wird’s ein F., wenn nach oben, eine religiöse
Inspiration. Der fromme Hasse mit seinen religiösen Ver-
stopfungen!

Was wir hier aus Ihren Briefen über den Vatkeschen Mangel
an „vollem Herzen“ erfahren haben, war uns höchst ergetzlich. 35
Dieser superkluge diplomatische Vatke, der so gern der größte
Kritiker und der größte Gläubige wäre, der es immer am besten
weiß, hat nun für die eine Partei kein Herz und für die andre
keinen Kopf. Hic iacet Vatke, ein denkwürdiges Beispiel, wohin
die Sucht zum Kartenspiel und zur religiösen Musik führt. 46

Der Fichte, der sich hier in den Mantel seiner Unpopularität
einhüllt, hat das halb zweideutige Gerücht verbreitet, daß er nach
Tübingen berufen. Die Fakultät entspricht seinem Wunsche nicht,
ihn durch Gehaltzulage zu fesseln.

Sack reist in aller Frömmigkeit nach Berlin, um auf die Ver- &