(64) 1842 Nov. 17
skript des Zensurministeriums und außerdem zwei Verfügungen
vorlegen und mich darüber zu Protokoll vernehmen lassen. In
Betracht der Wichtigkeit der mir abverlangten Erklärungen zog
ich es vor, statt im Protokoll mich bestimmt zu äußern, mich heute
schriftlich an Ew. Hochwohlgeboren zu wenden.

1. Was das Reskript des Zensurministeriums und insbesondere
die Aufforderung betrifft, die Rhleinische] Zleitung] solle ihre
Tendenz ändern und eine der Regierung gefällige annehmen, so
vermag ich diese Forderung nur in bezug auf die Form zu deuten,
deren Moderierung, soweit es der Inhalt erlaubt, nachgegeben 10
werden kann. Die Tendenz einer Zeitung, welche, wie die Rhei-
nische, nicht bloß ein gesinnungsloses Amalgam von trocknen Re-
feraten und niedrigen Lobhudeleien ist, sondern mit einer eines
edlen Zwecks bewußten, wenn auch scharfen*) Kritik die staat-
lichen Verhältnisse und Einrichtungen des Vaterlandes beleuchtet, z5
scheint uns nach den in der jüngst erlassenen Zensurinstruktion und
auch anderwärts oft geäußerten Ansichten Sr. Majestät nur eine der
Regierung genehme Tendenz sein zu können. Dem verantwort-
lichen Redakteur ist auch bis jetzt niemals eine Mißbilligung
dieser Tendenz zu erkennen gegeben worden. Da die Rh. Z. über- zo
dem der strengsten Zensur unterworfen ist, wie ließe sich ihre
Unterdrückung als erste Warnung rechtfertigen? ?) Die
Rh. Z. wird, dies kann ich Ew. Hochwohlgeboren versichern, auch
fernerhin, soviel an ihr liegt, den Weg des Fortschritts, auf wel-
chem Preußen dem übrigen Deutschland vorangeht, bahnen helfen. 2
Eben deshalb aber muß ich den mir im Reskripte gemachten Vor-
wurf zurückweisen, als suchte die Rh. Z. französische Sympathien
und Ideen im Rheinlande zu verbreiten. Die Rheinische Zeitung
hat es sich vielmehr als Hauptaufgabe gestellt *), die Blicke,
welche noch bei so vielen auf Frankreich hafteten, auf Deutsch- z0
land zu richten und statt eines französischen einen deutschen Libe-
ralismus hervorzurufen, der der Regierung Friedrich Wilhelms IV.
gewiß nicht ungenehm sein kann. Die Rh. Z. hat hiebei stets auf
Preußen, von dessen Entwicklung die des übrigen Deutschlands
abhängt, hingewiesen. Den Beweis dieser Tendenz liefern die ss
polemisch gegen die antipreußischen Bestrebungen *) der Augs-
burger Zeitung gerichteten Artikel über die „Preußische Hege-
monie‘““, Den Beweis liefern alle Aufsätze über den preußischen
Zollverein gegen die Artikel des Hamburger Korrespondenten
und andrer Zeitungen, worin die Rh, Z. den Beitritt von Han- «
nover, Mecklenburg und der Hansastädte mit der größten Aus-

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4) wenn auch scharfen nachträglich gestrichen.

2?) Von M. korr, aus eine Unterdrückung als erste Warnung verteidigen?
3 Von M. korr. aus nicht wenig dazu beigetragen

\) Von M. korr. aus Tendenzen