(64) 1842 Nov. 17

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führlichkeit als das einzig Ersprießliche dargestellt hat. Den Be-
weis liefert vor allem das stete Hinweisen auf norddeutsche
Wissenschaft im Gegensatz zu der Oberflächlichkeit nicht nur
der französischen, sondern auch der süddeutschen Theorien. Die
+ Rh. Zeitung war das erste rheinische und überhaupt süddeutsche
Blatt, welches den norddeutschen Geist, den protestantischen
Geist‘) in die Rheinprovinz und Süddeutschland einführte, und
wodurch könnte man die getrennten Stämme unzertrennlicher
binden als durch geistige Einheit, welche die Seele und die einzige
1 Garantie der politischen Einheit gegen alle äußeren Stürme ist!
Was die angeblich irreligiöse Tendenz der Rh. Z. betrifft,
so kann es den höchsten Behörden nicht unbekannt sein, daß ganz
Deutschland und vorzugsweise Preußen über den Gehalt eines be-
stimmten positiven Glaubens — und nur von diesem, nicht von
1 der Religion, die wir nie angetastet haben und nie antasten wer-
den, handelt es sich — in zwei Heerlager geteilt ist, die beide in
Wissenschaft und Staat hochgestellte Männer unter ihre Ver-
fechter zählen. Soll eine Zeitung in einem unentschiedenen Zeit-
kampfe keine oder nur eine ihr auf amtlichem Wege vorgeschrie-
z% bene Partei ergreifen? <Wenn es Luthern nicht verdacht wird,
trotz Kaiser und Reich die damalige alleinige Daseinsweise des
Christentums, die katholische Kirche, in einer sogar zügellosen
und alles Maß überschreitenden Form angegriffen zu haben, soll
es in einem protestantischen Staat verboten werden, eine dem
» jetzigen Dogma entgegenstehende Ansicht nicht durch einzelne
frivole Ausfälle, sondern durch konsequente Ausführungen einer
ernsten und vorzugsweise deutschen Wissenschaft zu vertreten? >”)
Zudem haben wir nie das Zeitungsterrain überschritten, sondern *)
Dogmen wie kirchliche Doktrinen und Zustände überhaupt nur
z insofern berührt, als andere Zeitungen die Religion zum Staats-
recht machen und aus ihrer eignen Sphäre in die Sphäre der
Politik versetzen wollten‘). Es wird uns sogar ein leichtes sein,
jeden unserer Aussprüche durch ähnliche und stärkere Aus-
sprüche eines preußischen Königs, Friedrichs des Großen, zu
1 decken, und wir halten diese Autorität für eine Autorität, auf die
sich preußische Publizisten wohl berufen dürfen.
Die Rheinische Zeitung darf also glauben, den in der Zensur-
instruktion niedergelegten Wunsch Sr. Majestät nach einer unab-
hängigen, freisinnigen Presse vorzugsweise realisiert und hier-

1) den protestantischen Geist nachträglich gestrichen,

2) Dieser in spitze Klammern gesetzte Satz ist im Original nachträglich ge-
strichen. !

3) Nach sondern von M. religiöse gestrichen.

a) Von M. korr. aus als man sie in politische Lehren, Axiome und Vorschriften
verwandeln [wolltel.