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(65) 1842 Nov. 30
sorisch übertragen worden, Rutenberg hatte bei der ungeheuern
Dummheit unserer Staatsvorsehung das Glück, für gefährlich zu
gelten, obgleich er niemandem gefährlich war als der Rhei-
nischen Z. und sich selbst. Rutlenberg]s Entfernung wurde ge-
waltsam verlangt. Die preußische Vorstehung, dieser despotisme
prussien, le plus hypoecrite, le plus fourbe, ersparte den Geranten
einen unangenehmen Auftritt, und der neue Märtyrer, der schon in
Physiognomie, Haltung und Sprache das Märtyrerbewußtsein mit
einiger Virtuosität darzustellen weiß, Rutenberg beutet diese Ge-
legenheit aus, schreibt in alle Welt, schreibt nach Berlin, er sei x
das exilierte Prinzip der Rh. Z., die eine andere
Stellung zur Regierung entriert. Es versteht sich von selbst.
Auch hierauf kamen Demonstrationen von den F reiheitsheroen an
der Spree, „dem schmutzigen Wasser, das Seelen wäscht und Tee
verdünnt“,
Kam endlich hinzu Ihr und Hlerwegh]s Verhältnis zu den
Freien, um das Maß der zürnenden Olympier vollzumachen.
Vor einigen Tagen erhielt ich einen Brief von dem kleinen
Meyen, dessen Lieblingskategorie mit großem Recht das Sollen
ist, worin man mich über mein Verhältnis 1. zu Ihnen und z
Hlerwegh], 2. zu den Freien, 3. über das neue Redaktionsprinzip
und die Stellung zur Regierung in Rede stellt. Ich antwortete
gleich und sprach offen meine Ansicht aus von den Mängeln ihrer
Arbeiten, die mehr in einer lizentiösen, sanskülottischen und dabei
bequemen Form, als in freiem, d.h. selbständigem und tiefem 2:
Gehalt die Freiheit finden. Ich forderte auf, weniger vages Rä-
sonnement, großklingende Phrasen; selbstgef ällige Bespiegelungen
und mehr Bestimmtheit, mehr Eingehn in die konkreten Zustände,
mehr Sachkenntnis an den Tag zu fördern. Ich erklärte, daß ich
das Einschmuggeln kommunistischer und sozialistischer Dogmen, zo
also einer neuen Weltanschauung, in beiläufigen Theaterkritiken
etc. für unpassend, ja für unsittlich halte und eine ganz andere
und gründlichere Besprechung des Kommunismus, wenn er ein-
mal besprochen werden solle, verlange. Ich begehrte dann, die
Religion mehr in der Kritik der politischen Zustände als die poli- ss
tischen Zustände in der Religion zu kritisieren, da diese Wendung
mehr dem Wesen einer Zeitung und der Bildung des Publikums
entspricht, da die Religion an sich inhaltslos nicht vom Himmel,
sondern von der Erde lebt und mit der Auflösung der verkehrten
Realität, deren Theorie sie ist, von selbst stürzt. Endlich wollte x
ich, daß, wenn einmal von Philosophie gesprochen, weniger mit
der Firma: „Atheismus“ getändelt (was den Kindern ähnlich
sieht, die jedem, der’s hören will, versichern, sie fürchteten sich
nicht vor dem Bautzenmann) als vielmehr ihr Inhalt unters Volk
gebracht würde. Voilä tout.

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