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(66) 1842 Dez, 4
weder die Personen noch ihre Redensarten zu brauchen. Ich wunderte
mich daher nicht wenig über Ihre Mitteilung von Meyens förmlichen
Drohungen. Sodann überraschte mich der Donnerschlag, den die paar
Worte aus Berlin + vom 29. grad auf den Kopf des Nagels führen. Ich
dachte, die Geschichte würde sich der Publizität entziehn, und erklärte
mich nur im Prinzip gegen dieses ganze blasierte und eitle Genre bei
Gelegenheit der Vorrede zu 1843, die ich vor einigen Tagen nieder-
schrieb. Nun ist also der Würfel gefallen.

Ihr Brief und Ihre Maßregeln haben meine vollkommene Bei-
stimmung, und es freut mich, daß die „Freien“ oder vielmehr diese Fri- zu
volitätsnarren auch an Ihnen, ohne daß ich Ihnen ein Wort geschrieben,
den Charakter der entschiednen Negation ihrer eignen Charakterlosigkeit
gefunden haben,

Im einzelnen ist viel Betrübendes bei der Geschichte. Vielleicht, daß
grade Sie hier nützlich einwirken können. Hören Sie also: Meyens 16
Frage nach meinem Zwist mit Bauer verstehe ich nicht, da ich nichts
andres unternommen habe, als Bauer gewarnt vor der Gesellschaft der
Freien und vor dem Tone (sie prügeln und schimpfen sich, wenn der
Wein wirkt usw.), der bei Walburg herrscht, womit er, Bauer, sich und
seine Sache kompromittieren werde. Dies ist von meiner Seite nur die 2u
Voraussetzung der Bauerschen Sache und, wenn Sie wollen, ein freund-
schaftliches Zureden, das mir wohl in einer so augenscheinlichen Gefahr
erlaubt sein sollte. Bauer sträubte sich dagegen und machte aus der
ganzen Haltung der Freien eine Sache, die er bis ins tz verteidigte, und
erklärte, er wolle die Freien, also Meyen, Buhl, Köppen, Stirner USW., 25

nicht verlassen. Ich konnte nun natürlich weiter nichts sagen, als ich
würde nun namentlich Köppen selbst gegen Bauers Tyrannei „aufzu-
wiegeln“ suchen und könnte nichts wünschenswerter finden, als daß die
Gesellschaft gesprengt werde, einzeln würde dann jeder viel traitabler
sein und immer noch gelten, was er wert sei. Sie sehn, daß dies noch 3
kein Prinzipienstreit war und daß ich die Verteidigung der Wal-
burgschen Exzesse für Ernst zu nehmen keine Lust hatte. Das war mir
freilich wieder unerwartet, daß Köppen, den Bauer mit der Faust auf
den Kopf geschlagen hatte, nun auch seinerseits, als ich scherzweise in
E, Bauers Gegenwart diese Methode angriff, das ganze Verfahren ver-"3ö
teidigte.

Ich verkenne nun nicht, daß diese Gewaltsamkeit der Verteidigung
fast ebenso betrübend ist als das ganze tobende, mit Atheismus, Kom-
munismus, Ausschweifung, Köpfen und Guillotinieren um sich werfende
gesellige und schriftstellerische Unwesen; allein ich glaube, daß Bauer 4
ein zu ernster Mensch ist, um seine Paradoxien länger zu behaupten, als
es etwa jener Kitzel des Disputs und der Ärger meines — „Moralisierens“
und: meiner „reaktionären Halbheit“ erforderte. Ich wünsche diesen
gradezu abgeschmackten Disput, den ich auf 1000 Meilen nicht vermutete,
nicht öffentlich und ernstlich zu führen. Ich habe zweimal an Bauer 4
geschrieben und die Erwähnung der Freien das erstemal ganz vermieden,
das zweitemal ihm nur auf seine Grüße durch Wigand geantwortet und
namentlich den Vorwurf abgelehnt, da ß ichSieunddieZeitung
förmlich vor den Freien gewarnt hätte (Ein Brief des