{66) 1842 Dez.

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Inhalts war bei Stehely vorgelesen worden.) Ich hätte dies auch schon
darum für überflüssig gehalten, weil Ihnen und Jung ja die Freien
persönlich und besser als mir selbst bekannt seien. Bauer hat mir aller-
dings noch nicht geantwortet; aber ich würde glauben, er sei toll ge-

5; worden, wenn er in diesen Vorfällen und Wirren eine prinzipielle
Überschreitung der Jahrbücher und der Zeitung erblickte. Ich halte es
ganz für unmöglich, daß Bauer sich an solche Eitelkeiten und Subjektivi-
täten verlieren sollte. Er muß es einsehn, daß er sich mit den Freien
gründlich verhauen hat, und daß es für ihn jetzt keine andre Stellung
gibt als die des unbefangenen und namentlich sittlich und sozial un-
antastbaren Gelehrten. Die Albernheiten einer studentischen Flachheit
muß er sich vom Leibe halten und auch an ihnen keinen Geschmack
finden. Dazu sind ja die Dinge zu ernst, in die er und wir alle durch
die geistigen Widersprüche verwickelt sind.

5 Sehn Sie, so steht die Sache. Ich glaube, daß Bauer, trotz Meyens
Frage, mit mir zu brechen durchaus nicht berechtigt ist und es auch
nicht tun wird, da ich vollkommen im Recht war, die Sauerei der Freien
eine Sauerei zu nennen, und noch mehr, ihm davon in seinem eignen
Interesse abzuraten.

Bei alledem ist die Sache eine gründliche Kalamität — ganz objektiv
genommen, daß sie nur möglich ist, und die Philosophie kann solches
Unwesen nicht auf ihre Kappe nehmen.

Trinken, Schreien, ja, ich sage es, selbst Prügeleien könnte man
Leuten hingehn lassen, die das alles trieben, abgesehn von einem ernsten
Inhalt, und ohne ihn zu besudeln. Ich werde Bauers Wesen nie in einem
solchen Exzeß suchen: aber diese Exzesse mit den Dogmen und Stich-
wörtern der Philosophie und Freiheit auszufüllen oder vielmehr die
Freiheit zu einer Dogmatik dieses Treibens zu machen — nun, das geht
nicht, und wer darauf besteht, es zu tun, ruiniert sich.

30 Ihre Briefe an Meyen werden eine starke Wirkung hervorbringen.
Die Hauptsache wäre aber, Bauer selbst von dem Plane abzubringen,
die Freien und ihre hohle Renommage zu beschützen und als etwas Ver-
nünftiges hinzustellen.

Die törichten Reden gegen Herwegh begannen schon vor seiner Ver-

3; lobung. Damals war er nur ein dummer Schwabe und ich, der ich frei-
lich am meisten pecciert hatte, ein Philister. Die Geniesucht und Selbst-
verkennung ist wirklich lächerlich groß. Jacoby, die Königsberger, die
Rheinische Zeitung — also Charaktere und wesentliche Erweiterungen
des politischen Bewußtseins — galten ihnen nicht mehr als ihre Dogmen

w und Extremitäten, die sie gar nicht einmal erfunden haben, auch. gegen
keinen ernstlichen Angriff behaupten können.

Aber noch einmal: ich hoffe, daß Sie Bauer aus dieser Atmosphäre
reiten — vielleicht schon durch Ihre Briefe an Meyen, die der natürlich
mitteilt, und wenn sie noch so stark wären — besser aber noch, wenn

ı Sie sich bei ihm selbst über das Unwesen der Freien ernstlich beschwer-
ten. Bauer darf nicht publice in diese Suppe mit verwickelt werden,
und er traut sich viel zu viel zu, wenn er meint, daß er das vertragen
könnte. Ohne sittlichen Ernst ist in Deutschland auch die beste Sache
verloren, und die soziale und Staatsauflösung (im Begriff, so daß die

Marx-Engels-Gesamtausgabe., I. Abt., Bd. 1. 2. Hbd. 19

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