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Menschheit ohne Staat existierte), von der er sprach, kann nimmermehr
sein Ernst sein, ist aber als Renommage gegen mich sehr zwecklos,
besonders in der Form, „man könne nur negieren und die positive Sache
nicht wissen“. — Kurz, Sie sind nun au fait. Ich mag es mir nicht ge-
stehen, daß Bauer uns den Streich spielen und sich mit den Freien iso-
lieren könnte, und ich wünschte um seinetwillen — um der guten Sache
willen — diesen Tollhausstreich zu vermeiden. — Tun Sie dazu, was Sie
können. Ist er aber nicht zu vermeiden, und zerren die Freien sich und
ihr abgeschmacktes Prinzip ins Publikum — so bin ich der erste, der
alles daran setzt, sie gründlich totzuschlagen und die Sache der Freiheit 1
von dieser wüsten Willkür, die es dahin gebracht hat, daß der herrscht,
der am lautesten schreit, am stärksten dreinschlägt, zu befreien. Die
Freien haben nur ein Mittel: sich selbst aufzugeben und ganze Menschen
zu werden, um noch geistig zu gelten. nn

Eine Kleinigkeit für die Zeitung leg’ ich bei. Ich will weiter tun, zö
was ich kann.

Leider ist Franck so träge und langsam, der könnte Ihnen sonst sehr
nützlich werden. An andere will ich sogleich schreiben; auch nach Berlin
an meinen Bruder und einige andere, namentlich an Hermann Müller,
der Ihnen wenigstens Korrespondenzen verschaffen könnte und einige 26
Neuanknüpfungen.

Vielleicht schriebe Vischer und Strauß Ihnen über Aesthetica.
Durch Vischer wäre dies zu besorgen. Ich will ihm nächstens, noch heute,
schreiben. Reinhold Köstlin kann über die Württemberger und bayrische
Politik schreiben. Er ist in Tübingen. Den müßten Sie selbst auffordern. 25
Wenn Sie Merz wollen, der freilich etwas stark entre deux ist, so wohnt
er jeizt in Stuttgart und hat Talent und Muße. Gefällt es Ihnen nicht,
so können Sie’s ja remittieren. Ich will ihn also auffordern.

Grüßen Sie Jung herzlich von mir, und zuletzt will ich es noch aus-
sprechen, wie sehr es mich freut, daß Sie sich an diesem braven, tapfern &
und ganz objektiven Menschen, dem liebenswürdigen Herwegh, nicht
haben irre machen lassen. Es ist nur nötig, Kläger und Beklagten neben-
einander zu sehn, um entschieden zu sein.

Von ganzem Herzen
Ihr A, Ruge.

67. Arnold Ruge an Marx in Köln: [Dresden
1842 Dezember ca. 6]
Original: Archiv der Sozialdemokratischen Partei. Berlin. — Bruchstück

Nur zwei Worte, lieber Freund, und zwar die Nachricht, daß Meyen,
wie ich gleich vermutet, in bezug auf B. Bauer sich mehr zurechtgephan- «
tasiert, als er’s Ursach’ hatte. Bauer fällt es nicht ein, aus den Disputen
in Berlin einen ernstlichen Zwist und einen sachlichen Streit zu machen.
Der Artikel vom 29. November scheint ihn aber bei alledem sehr ver-
drossen zu haben, und er ist ohne Zweifel ganz falsch berichtet. wenn er