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(71) 1843 Jan. 25
Rh. Z. auch nur einen Tag ohne die offiziellen Lebensbedingungen
hätte erscheinen können.

2. Die Zensurinstruktion vom 24. Dezember bezweckte eine
Tendenzzensur. Unter Tendenz verstand man die Einbil-
dung, den romantischen Glauben, eine Freiheit zu besitzen, die
man realiter zu besitzen sich*) nicht erlauben würde. Wenn der
verständige Jesuitismus, wie er unter der früheren Regierung
herrschte, ein hartes Verstandesgesicht hatte? ), so verlangt dieser
vcomantische Jesuitismus die Einbildungskraft als Haupt-
requisit. Die zensierte Presse soll von der Einbildung der Freiheit 1
und jenes prächtigen Mannes, der diese Einbildung allerhöchst
gestattete, zu leben wissen. Wenn aber die Zensurinstruktion eine
Zensur der Tendenz wollte, so erklärt jetzt das Ministerialreskript,
für durchgängig schlechte Tendenz sei das Verbot, die Unter-
drückung in Frankfurt erfunden worden. Die Zensur sei nur
da, um die Auswüchse der guten Tendenz zu zensieren, obgleich
die Instruktion eben das Umgekehrte gesagt hatte, nämlich der
guten Tendenz seien Auswüchse zu gestatten.

3. Der alte Larifari von schlechter Gesinnung, hohler Theorie,
Dideldumdei etc.

Mich hat nichts überrascht. Sie wissen, was ich gleich von der
Zensurinstruktion hielt. Ich sehe hier nur eine Konsequenz, ich
sehe in der Unterdrückung der Rh. Z. einen Fortschritt des
politischen Bewußtseins und resigniere daher. Außerdem war mir
die Atmosphäre so schwül geworden. Es ist schlimm, Knechts- 2
dienste, selbst für die Freiheit, zu verrichten und mit Nadeln
statt mit Kolben zu fechten. Ich bin der Heuchelei, der Dummheit,
der rohen Autorität und unseres Schmiegens, Biegens, Rücken-
drehens und Wortklauberei müde gewesen. Also die Regierung
hat mich wieder in Freiheit gesetzt.

Ich bin, wie ich Ihnen schon einmal geschrieben, mit meiner
Familie zerfallen und habe, solang meine Mutter lebt, kein Recht
auf mein Vermögen. Ich bin ferner verlobt und kann und darf
und will nicht aus Deutschland ohne meine Braut. Machte es sich
also, daß ich etwa in Zürich mit Herwegh den D[eutschen]
B[oten] redigieren könnte, so wäre mir das lieb. In Deutschland
kann ich nichts mehr beginnen. Man verfälscht sich hier selbst.
Sollten Sie mir daher in dieser Angelegenheit Rat und Aufschlüsse
geben wollen, so werde ich sehr dankbar sein.

Ich arbeite an mehren Sachen, die hier in Deutschland weder
Zensor noch Buchhändler noch überhaupt irgendeine mögliche
Existenz finden können. Ich erwarte baldigst Antwort von Ihnen.

Ihr Marx.

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1) Korr. aus auch oder noch
?) Gestrichen und nur log, wo