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(72) 1843 Febr. ]
weil wir uns geradezu als Fortsetzung, und zwar als politische und
popularisierte Fortsetzung geben, also die ganze Präzedenz der Jahrbücher
für uns in Anspruch nehmen können.

Dazu kommt, daß Wigand ein eignes Etablissement zu dem Unter-
nehmen braucht, und daß Sie die ganze Besorgung des Arrangements
und des korrekten Drucks übernehmen müßten. Dies müßte Ihnen noch
etwas eintragen.

So steht die Sache, und Wigand begreift sehr gut, daß wir ein be-
deutendes Organ schaffen können und die Jahrbücher mehr als zu er-
setzen imstande sein werden, sobald wir die radikale Philosophie auf 70
den Boden der Preßfreiheit versetzen. Ich will Ihnen aber nicht ver-
hehlen, daß Wigand den Ehrgeiz hat, Fröbel und Herwegh- (der sich
mit Fröbel assoziieren wird) nicht ohne weiteres seinen Ruhm ernten zu
lassen, der progressistische Buchhändler zu sein und die Bücher der
letzten Bewegung zu verlegen. Wigand wollte daher durchaus nichts 5
davon hören, als ich ihm eröffnete, man sollte jetzt alle Kräfte in den
Boten werfen.

Die Sache hat nun wirklich zwei Seiten, da es nicht in unserer Macht
steht, frei über den Boten zu verfügen, und allerdings das ursprüngliche
Projekt desselben ganz alteriert werden würde, wenn wir uns mit unsern 20
Gesichtspunkten hineinwürfen, die wir natürlich auch keine Ader von
der Schweiz haben. Außerdem ist nun nach dem Verbot der Rhein[ischen]
Zeitung die deutsche Öppositionspresse ganz zerstört, und der Bote

könnte schwerlich das ganze Gewicht derselben tragen. Der Bote muß
die Rheinische Zeitung, wir das schwere Geschütz der Philosophie zu 25
ersetzen suchen, beides aber eine wesentliche Wiedergeburt darstellen.

Sind Sie einverstanden, so wollen wir jeder einen Prospekt entwerfen
und dann zusammenkommen, um ihn zu redigieren und (ich würde
Wigand mitbringen) den Kontrakt mit dem Buchhändler abzuschließen.
Es werden natürlich noch einige Monate vergehn, und wir reisen nach- 3
her vielleicht gradezu miteinander in die Schweiz, wohin ich in der
guten Jahreszeit meine Frau zu führen willens bin. Herweghs Braut
wird im März nach Zürich gehn. Ich ginge nicht gerne vor dem Mai,
doch wenn es sein muß, kommen wir noch eher und sobald Sie wollen
zusammen.

Lassen Sie mich bald Ihre Meinung wissen, und je spezieller,
desto besser. Das Eine muß feststehn, daß wir vorzugsweise die
Fragen der politischen Krisen oder des allgemeinen Bewußtseins, wie
e8 sich zu formieren anfängt, fortdauernd erörtern, also eine sehr: ver-
fängliche Publizistik etablieren. Wollen Sie mir gleich einen Entwurf, 46
wie Sie sich den Prospekt denken und ob Sie mit der Basis, wie ich sie
hier diskursive angegeben, einverstanden sind, zuschicken, so soll es mir
sehr lieb sein. Wir müssen die Zwischenzeit benutzen, um uns so vorzu-
bereiten,. daß wir nachher ganz und geharnischt unter die Philister
springen und ihnen den ganzen Brei mit Einem Schlage vorsetzen. Eine 4
„zweite Selbstkritik“ der Halbheiten in den Jahrbüchern und der Zeitung,
eine einfache Erzählung unserer reellen Befreiung aus diesen Fesseln,
die ich ebenso wie Sie mit Wollust empfunden habe — das wird eine
kolossale Wirkung tun und muß die Einleitung bilden. —

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