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(75) 1843 Febr. 18
Bluntschli wiederzusehn, den ich persönlich kenne, soll mir viel Spaß
machen. Nach den Maiwahlen, wenn sie geschlagen werden, wäre die Sache
noch pikanter als vorher, wo die Religion noch triumphiert.

Ich habe durch eine Korrespondenz in der Leipziger Zeitung, die ich
Wigand auch für die Rheinische zugeteilt, eine vorläufige Nachricht
ausgehn lassen, daß wir zusammen die Jahrbücher fortsetzen werden.
Ich selbst konnte dies noch nicht mit unserer Namensunterschrift er-
klären, weil ich dadurch unmittelbar meine Beschwerde beim Landtag
aufgehoben hätte und den Fortgang dieser Sache nicht hindern will, Die
Anekdota, die längst fertig sind, kommen immer noch nicht an. Fröbel 2
scheint sehr saumselig zu sein.

Wenn wir Ort, Form, Versendungsweise und alle diese Äußerlich-
keiten sicher haben, — erst dann wollen wir unsern Prospekt, auf den sehr
viel ankommt, in die Welt gehn lassen.

Unterdessen mag die Reaktion ihreStreiche ins Blaue führen, denn da wir 2
selber noch alles in suspenso lassen, so wird weder Berlin noch Basel noch
Zürich scharfsinnig genug sein, um das ungelegte Ei im voraus zu schichten.

Grüßen Sie Jung herzlich. In einigen Wochen sprech” ich Wigand.
Dann schreib’ ich Ihnen sogleich, was wir über unsere Zusammenkunft
und die weiteren Reisen ausgemacht haben.

Jede Nachricht von Ihnen interessiert mich. Enthalten Sie mir nichts
vor und schreiben Sie mir, sobald Sie eine Veranlassung finden,

Für die Zeitung korrespondiert von hier ein gewisser Pfützner, der
sehr leichtsinnig zu Werke geht und dabei auf eine ungeschickte Weise
gegen die Minister polemisiert, indem er schlechte Witze reißt und nicht 2
auf die Sache selbst eingeht. So entstellt er viele Tatsachen, die nachher
durch die Landtagsmitteilungen widerlegt werden. Neulich war er sogar
so indiskret, ein Gespräch des Ministers mit Todt, das in der Garderobe
vorgefallen war, in die Kammer zu verlegen. Der Könneritz hatte wohl
scherzweise zu Todt in der Garderobe gesagt, „er würde aus den Akten 26
nur wieder neues Gift saugen“, und dies unparlamentarische Diktum
verlegt Pfützner in die Kammer. Sie könnten von ihm verlangen, daß
er hineingeht, wenn er berichten will, und daß er dies nicht
nach Hörensagen aus dem Museum tut. Solche Dokumente aber, wie die
Antwort der Deputation auf das konstitutionswidrige Dekret des Könne- ss
ritz, hätte er Ihnen mindestens in extenso abschreiben sollen. Sie werden
es jetzt aus der Leipziger entnehmen müssen.

Ein besserer Korrespondent ist Wittig, und noch besser wäre Leu-
poldt, Adr. Arnoldsche Buchhandlung. Doch haben wir, namentlich ich,
durch Leupoldt dem Herrn Pfützner sein Verfahren wiederholt und «&
dringend verwiesen. Vielleicht hilft es, Leupoldt korrespondiert für
Brockhaus. Ich selbst kann mir keine Zeit abbrechen, um morgens in die
Kammer zu gehn, und muß gestehn, daß ich diese Galgenfrist der Zeitung
zu benutzen und dieser Zensur in die Schere zu laufen gar nicht aufgelegt
bin. Wundern muß man sich immer noch, daß doch noch hin und wieder 4
ein interessantes Blatt kommt.

Mit den besten Grüßen auf baldiges Wiedersehen

; Ihr A. Ruge.

Bitte um Aufgabe des Briefes an Fleischer.