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wenn von der Realisierung die Rede ist. Wigand ist einer, der die Dinge,
wenn nicht versteht, so doch ahndet, und ich habe ihn vorbereitet. Merk-
würdig paßt sich’s, daß ihm eben Fröbel anbietet, mit ihm zusammen in
Brüssel eine eigene Firma zu gründen. Ich glaube kaum, daß Wigand das
annimmt, denn er ist zu ehrgeizig, um mit Fröbel zusammen zu operieren;
gleichwohl gibt diese Gärung im Buchhandel selbst einen unseren Plänen
narallelen Impuls, und vielleicht ist in einigen Wochen alles reif,

Über Feuerbachs Natureinseitigkeit stimm’ ich Ihnen bei. Er hat
aber außerdem sehr viel politischen Sinn, nur meint er, sei in Deutsch-
land dem Ding nicht anders als von der Theologie aus beizukommen.
Wir können die Religion nicht missen, das ist wahr, aber es gibt bei alle-
dem doch bereits eine sehr gereinigte reellpolitische Atmosphäre, die kulti-
viert und erleuchtet und erwärmt sein will.

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80. Arnold Ruge an Marx in Kreuznach [?];
Dresden 1843 Juni 4—7
Original: Archiv der Sozialdemokratischen Partei, Berlin
Dr., 4. Juni 43.

Endlich, den 31. Mai ist Fröbel gekommen. Er klagt sehr über die
Messe und über den unverschämt langen Kredit, den die Buchhändler

» verlangen. Ich habe nun mit ihm ausgemacht, daß wir mit dem Okt [ober]
anfangen, wenn’s irgend möglich ist; daß wir auf der Rückreise von
Paris bei Ihnen vorkommen. Ich kann vielleicht schon auf der Hinreise.
Endlich kann er nicht früher als August reisen und meint, das sei auch
besser, weil man früher die Leute zu verfehlen Gefahr liefe. Sollte ich

» nun doch noch früher reisen, so würde ich nicht die ganze Zeit mit Frö-
pel in Paris zusammen sein. Doch das wird sich finden. B. Bauer will
teilnehmen. Er hätte über alle gerast und gewütet und anfangs gemeint:
es müsse jetzt alles auseinandergehn und jeder auf seine eigene Hand
operieren; als er dann gehört, daß wir eben grade jetzt ein energisches

jo Blatt des Radikalismus gründen wollen, sei er umgedreht und habe ge-
meint, wenn das wäre, so wolle er sich nicht ausschließen. Die andern
haben Fröbel sehr mißfallen und entschieden den Eindruck gemacht, den
sie nie zu machen verfehlen können, nämlich den der dummen Jungen,
Seltsam überrascht mich eine andre Tatsache, welche der Durch-

ıs zug der Fremden und die Saison mir zuführt: nämlich die ungemeine
Regsamkeit der Liberalen in ganz unerwarteten Kraftanstrengungen. So
haben die schlesischen Fabrikanten und Mühleneigentümer, die an den
Privatflüssen liegen, über das Berieselungsgesetz, welches der Adel und
die Bauern, ohne ihre Interessen zu hören, beschlossen haben und wo-

o durch sie ihre Industrie gefährdet sehen, ein sehr energisches Protesta-
tionsverfahren eingeleitet. Die Details sind sehr interessant; und daß
selbst diese ausgesuchte Privatsache, die ohne alles Interesse sein sollte,
ins Prinzipielle umschlägt — ist eine Schicksalskomödie, die sich ganz
würdig dem bisherigen anschließt. Seine Majestät ist unzugänglich ge-

.„ wesen und hat diese Vorstellung, die schriftlich kam, mit dem jetzt schon